Die Erzählung „Die Nase“ (1836) von Nikolai Gogol gilt als erstes surrealistisches Prosastück in der russischen Literatur, Jahre bevor der Surrealismus als europäische Bewegung auf der Bildfläche erschien. Die groteske Parabel bildet zusammen mit der auf der Erzählung basierenden gleichnamigen Oper von Dmitri Schostakowitsch (1927/28) die Ausgangsbasis des Projektes „The Nose“: Die südafrikanische Choreographin Jessica Nupen verlegt die Handlung in die aktuelle politische Gegenwart in Südafrika und macht daraus eine ambitionierte und radikale Neuinterpretation von Gogols absurder und dunkel-komischer Fabel über Geiz, Gier und Angst. Die Verbindung der bürokratischen Tyrannei der russischen Zarenzeit mit dem korrupten politischen Umfeld des heutigen Südafrikas veranschaulicht auf absurde und komische Weise die Tragik despotischer Regimes.

Mittels einer Vielzahl künstlerischer Medien untersucht „Die Nase“ die sozioökonomischen Spannungen, die Umverteilung von Macht, die Folgen von Rassismus und Korruption und den politischen Übergang in Südafrika. In dem von Studentenprotesten, ausufernder Korruption und Kleptokraten geprägten Land löst sich eine Nase von ihrem Besitzer und begibt sich auf ein absurdes Abenteuer, in dem sie in der gesellschaftlichen Hierarchie einen höheren Rang erreicht als ihr Besitzer. Was in der kurzen Zeit chaotisch und absurd erscheint, führt langfristig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen über Ungleichheit und Macht. Dabei geht es um eurozentrische Wahrnehmungen von politischen Prozessen in Afrika, afropolitische Fragen und postkoloniale Stereotypen, aber auch um die Oper als künstlerische Form: Wie können Oper, Tanz und Kunst die Diskussion über soziale und politische Bedingungen vor Ort und in der Welt beeinflussen?

„The Nose“ - eine fantasievolle und wilde Tanz-Rap-Oper - entsteht in Kooperation mit der Moving Into Dance Mophatong Dance Company aus Johannesburg, der Cape Town Opera in Kapstadt, dem Centre for the Less Good Idea in Johannesburg, der Kalashnikov Gallery in Johannesburg, Kampnagel Hamburg und der LKG Gallery in Hamburg. Die Produktion wird in Zusammenarbeit mit zahlreichen Akteuren aus Tanz, Musik, Bildender Kunst, Theater, Philosophie und Design und mit William Kentridge als Mentor in Südafrika und Deutschland konzipiert und in beiden Ländern aufgeführt. Die ursprüngliche Musik von Schostakowitsch wird von dem kanadischen Musikproduzenten und Rapper Josh “Socalled” Dolgin für Musiker des Ensembles Resonanz, für die Sänger der Oper Kapstadt und die Tänzer von Moving into Dance Mophatong zu einer Rap-Oper umgeschrieben. Neu entstehende Werke des südafrikanischen Künstlers und Satirikers Moxolisi Vusi Beachamp sollen auf die von Wilhelm von Disbergen entworfene Bühne projiziert werden.

Geplant sind Aufführungen in Hamburg, Kapstadt, Johannesburg und Deutschland. Die Aufführungen werden begleitet von Ausstellungen, Filmvorführungen, Lesungen, Workshops und Paneldiskussionen, im Rahmen derer sich Künstler aus Deutschland und Südafrika sowie Experten aus Kunst, Kultur und Politik mit internationalen Partnern austauschen.

Künstlerische Leitung: Jessica Nupen (ZA/DE)
Musikalische Leitung: Gareth Lubbe (ZA/DE)
Komposition: Josh 'Socalled' Dolgin (CA)
Tanz: Moving Into Dance Mophatong (ZA)
Performance/Gesang: Cape Town Opera (ZA)
Musik: Ensemble Resonanz (DE)
Bühne: Moxoli Vusi Beauchamp (ZA), Wilhelm Disbergen (ZA)
Kostüme: Joel Janse van Vuuren (ZA)
Dramaturgie: Phala Ookeditse Phala (ZA)

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Deutsch­land und afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

  • Termine

    09.05. –
    10.05.2020

    Aufführung

    Theater Dortmund | Dortmund

    20.03. –
    22.03.2020

    Aufführung

    Tanz Bremen / Theater Bremen | Bremen

    18.03. –
    21.03.2020

    Weltpremiere & Aufführungen

    Kampnagel | K6 | Hamburg

Kon­takt

Jessica Nupen Contemporary Arts and Dance Theatre

Kleiner Kielort 7b
20144 Hamburg

www.jessicanupen.com