TURN2

Künstlerische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern

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15 Residencies & 9 künstlerische Kooperationen

Die Jurys der TURN2 Residencies haben sich im Juni 2021 für die Förderung von 15 Kuratorinnen und Kuratoren an den Standorten Lagos, Nairobi, Johannesburg und Berlin entschieden. Die Jury des Fonds TURN2 hat im Juni 2021 neun künstlerische Kooperationsprojekte mit einem Fördervolumen von 1,3 Mio. Euro zur Förderung empfohlen.

Detaillierte Infos zu den Fellows, Jurys und Projekten finden Sie auf dieser Webseite.

Einleitung

Mit ihrem Fonds TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern hat die Kulturstiftung des Bundes seit 2012 künstlerische Kooperationsprojekte mit dem afrikanischen Kontinent gefördert. In den vergangenen acht Jahren hat der Fonds TURN spartenübergreifend 101 internationale Kooperationsprojekte mit 12 Millionen Euro gefördert. Hierbei waren kulturelle Akteurinnen und Akteure aus über 30 Partnerländern auf dem afrikanischen Kontinent beteiligt. Nach acht Jahren TURN hat die Nachfrage nach Förderangeboten, die eine künstlerische Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Ländern und Deutschland intensivieren, nicht nachgelassen und wächst weiterhin besonders in den deutschen Kulturinstitutionen. Die Erfahrungen aus den bisherigen TURN-Projekten machen deutlich, dass Debatten – etwa zur Aufarbeitung kolonialer Herrschaft samt ihrer Folgen im 21. Jahrhundert oder zu Themen wie Migration und Klimagerechtigkeit – ohne umfassende Einbindung afrikanischer Positionen nicht zu führen sind.

Aufbauend auf jahrelangen Erfahrungen aus TURN sowie auf den Gesprächen mit internationalen Experten wird die Kulturstiftung des Bundes mit dem Programm TURN2 Künstlerische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern auch in Zukunft darauf hinwirken, Asymmetrien zwischen afrikanischen und deutschen Partnern zu reflektieren und einen fairen Austausch in die Wege zu leiten. Das Programm TURN2 umfasst drei Förderinstrumente: einen Fonds, Residencies sowie transkontinentale Akademien.

Fonds TURN2

Der Fonds gewährt auf Antrag Fördermittel für künstlerische und kulturelle Projekte, die im Rahmen von transnationalen Kooperationen mit Partnern aus afrikanischen Ländern zustande kommen und eine öffentliche Sichtbarkeit und Wirkung in Deutschland haben. Die Projekte müssen mindestens einen afrikanischen Partner haben, können aber noch weitere internationale Partner einschließen. Die Projekte sollen auch Veranstaltungen in den jeweiligen afrikanischen Partnerländern vorsehen. Der Fonds TURN2 wird bundesweit ausgeschrieben. Die Mindestfördersumme beträgt 50.000 Euro. Die Projekte müssen eine durch Eigen- und/oder Drittmittel gesicherte Finanzierung von 20% an den Gesamtkosten erbringen.

Die Fördergrundsätze des Fonds TURN2, die Anlage mit Empfehlungen zur Förderung fairer Zusammenarbeit, den Online-Antrag und nützliche Muster finden Sie unten auf dieser Seite. Der zweite und letzte Einsendeschluss ist der 1. März 2022.

Fonds TURN2 - Kurzbeschreibungen der Projekte

In der ersten Antragsrunde hat die Jury des Fonds TURN2 im Juni 2021 neun Projekte mit einem Fördervolumen von 1,309 Mio. Euro zur Förderung empfohlen. Der Vorstand bestätigte die Auswahl. An den Kooperationsprojekten sind u.a. 17 Partnereinrichtungen aus elf afrikanischen Ländern beteiligt. Gefördert werden Projekte aus den Bereichen Musiktheater, Bildende Kunst, Kulturgeschichte, Musik sowie spartenübergreifende Vorhaben:

  • „Afropollination“ von Piranha Arts in Berlin und Boutique Foundation/Nyege Nyege Festival in Kampala (Uganda): Das Projekt bringt Musikerinnen und Musiker verschiedener Genres und Performerinnen und Performer aus Deutschland, Uganda, Südafrika, Kamerun, Kenia, DR Kongo und weiteren afrikanischen Ländern zusammen, um musikalisch und tänzerisch zusammenzuarbeiten. Die Ergebnisse werden in Uganda und Deutschland in Konzerten, Aufführungen und auf einer Online-Plattform präsentiert.
  • „Unraveling the (Under)Development Complex, or: Towards a Post-(Under)Development Interdependence” von SAVVY Contemporary in Berlin, Bandjoun Station in Bandjoun (Kamerun) und African Digital Heritage (Kenia): Das Projekt würdigt den guyanischen Autor Walter Rodney anlässlich des 50. Jubiläums seines Buches „How Europe underdeveloped Africa“ und hinterfragt in Recherchen, Invocations, Performances, Vorträgen, Workshops und einer Ausstellung überlieferte Vorstellungen von entwickelten und unterentwickelten Weltregionen.
  • „Deep into Highlife. Santrofi’s Highlife Sessions“ von Outhere Records in München und Santrofi aus Accra (Ghana): In Zusammenarbeit zwischen Musikerinnen und Musikern aus Deutschland und Ghana entsteht in Workshops ein Album zu den westafrikanischen Musikrichtungen Highlife und Afrobeat, das in Ghana und Deutschland in Konzerten präsentiert wird.
  • „The Ghosts are Returning“ von Podium-Festival in Esslingen, Centre d’Art Waza in Lubumbashi (DR Kongo), Group50:50 und European Alternatives: Das postdokumentarische Musiktheaterprojekt beschäftigt sich mit dem transkontinentalen Handel von Rohstoffen, Menschen und kulturellen Artefakten, mit Migrationsbewegungen und Fragen der Restitution und Wiedergutmachung. Das Projekt wird in Deutschland, DR Kongo, Schweiz und Österreich aufgeführt.
  • „The Common Stories. Soundtrack of our Wars: A Documentary Musical Theatre“ von Oyoun -Kultur NeuDenken in BerlinUbumuntu Arts Festival in Kigali (Ruanda)und Sarajevo War Theatre in Sarajevo (Bosnien und Herzegowina): Das dokumentarische Musiktheaterprojekt befasst sich mit gesellschaftlichen Strukturen, Vergangenheitsaufarbeitung und Kriegstraumata in der Diaspora und in Post-Konflikt-Gesellschaften und wird in Deutschland, Ruanda und Bosnien-Herzegowina gezeigt.
  • „Marejesho – asili mila utamaduni wetu. Kilimanjaro Colonial History Mobile Exhibition“ von Flinn Works in Berlin und Old Moshi Cultural Tourism in Old Moshi (Tansania): In mobilen Pop-Up-Ausstellungen in Tansania sowie einer Ausstellung im Tieranatomischen Theater in Berlin werden die Themen Kolonialgeschichte und Rückführung von Artefakten und menschlichen Überresten behandelt.
  • „We Yan Daudu. Towards a Decolonial Queer Vocabulary“ von Kampnagel Hamburg und The Oasis Project in Lagos (Nigeria): Das Projekt befragt eurozentrische Begriffe von Queerness, um neue Begrifflichkeiten zu entwickeln, die historisch, sprachlich und gesellschaftlich die Lebenrealitäten in Nigeria reflektieren. Entstehen soll ein digitales Glossar von Neologismen und vergessenen oder wiederentdeckten Begriffen, das in Deutschland und Nigeria in Performances, Keynotes und Panels präsentiert wird.
  • „LabKontempo Kinshasa/Berlin. A Question of Perspective” von Acud Macht Neu in Berlin und Option ONGD in Kinshasa (DR Kongo): Das Festival LabKontempo erprobt neue Formen der Zusammenarbeit, die aus der pandemischen Erfahrung von Kontrollverlust und Verletzlichkeit hervorgehen und postkoloniale Denkstrukturen in der internationalen zeitgenössischen Kunst hinterfragen. Entwickelt werden Ausstellungen und urbane Interventionen in Berlin und Kinshasa, Radioformate sowie digitale Veranstaltungen und Plattformen.
  • „People’s Stories – Past and Present. Bridging the Silenced and Liminal Spaces of African Imaginary” von Dox Box e.V. in Berlin, RAW Material Company und KENU in Dakar (Senegal), Centre Cinématographique Marocain in Rabat (Marokko), Cinémathèque de Tanger (Marokko), Dar Al-Ma‘mun in Marrakesch (Marokko), Art Gallé in Nuakschott (Mauretanien) und weiteren Partnern: Im Zentrum des Projekts stehen dekoloniale Zugänge zu Filmarchiven. In  Workshops, Präsentationen, Ausstellungen und einem Symposium im Senegal, in Marokko, Mauretanien, Deutschland, Belgien und Italien soll u.a. der Frage nach der Restitution von Film in Kolonialarchiven nachgegangen werden.

Jury Fonds TURN2

Die Jury des TURN2 Fonds tagte erstmals im Juni 2021 (1. Antragsrunde). Zur Jury gehören folgende Mitglieder:

  • Marcus Gora lebt in Harare, Simbabwe, und ist Mitbegründer und Direktor der First Floor Gallery, die zwei Galerieräume hat, einen in Harare und einen in Victoria Falls, Simbabwe. Er ist der Bandmanager der preisgekrönten simbabwischen Musikgruppe Mokoomba. Marcus ist Partner von Ngoma NeHosho, einer innovativen Kunstförderungsfirma, die das Jacaranda Music Festival in Harare leitet. Außerdem ist er Teil des Teams der Emerging African Galleries Association, die den jährlichen Emerging Painting Invitational Prize - EPI veranstaltet, der junge afrikanische Maler unterstützt. Schließlich ist Marcus Gora einer der Initiatoren des Soulidarity Fund, einem Fonds zur Unterstützung tourender afrikanischer Bands, die von den Unterbrechungen des Covid-19 betroffen sind.
  • Elisa Liepsch ist seit 2019 Leiterin der Performing Arts an der Beursschouwburg in Brüssel. Von 2014 bis 2019 war sie Dramaturgin am Künstler*innenhaus Mousonturm in Frankfurt am Main, wo sie u.a. die Projekte Afropean Mimicry & Mockery in Theatre, Performance & Visual Arts (2014-2016), Projeto Brasil (2016), Displacements. Andere Erzählungen von Flucht, Migration und Stadt (2018) und im*possible bodies (2018-2019) (ko-)kuratierte. 2010 bis 2013 war sie Dramaturgin und Leiterin des e-werks am Deutschen Nationaltheater Weimar, und arbeitete davor mit Frie Leysen an Theater der Welt 2010 im Ruhrgebiet. Elisa Liepsch ist Ko-Herausgeberin der Publikation „Allianzen. Kritische Praxis an weißen Institutionen“ (transcript, 2018). Immer wieder arbeitet sie in kollaborativen Konstellationen mit unterschiedlichen Partner*innen, in der sie gemeinsam versuchen eine Kunst der Vielen zu realisieren.
  • Jay Pather lebt in Kapstadt und ist Choreograf, Multimedia-Künstler, Kurator und Autor. Er ist Professor an der Universität von Kapstadt, wo er das Institute for Creative Arts leitet. Er ist Kurator für das Infecting the City Festival; das ICA Live Art Festival in Kapstadt, für das Afrovibes Festival in Amsterdam, Co-Kurator für Body, Image Movement in Madrid und Spier Light Art in Kapstadt. Er gehört zu den Experten für darstellende Künste, die an der Programmierung der Afrika 2020 Saison in Frankreich arbeiten. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Artikel in Changing Metropolis ll, Rogue Urbanism, Performing Cities, Where Strangers Meet, Routledge Companion to Art in the Public Realm, New territories: theatre, drama, and performance in post-apartheid South Africa und Transgressions - Live Art in South Africa, herausgegeben mit Catherine Boulle. Eine aktuelle Publikation ist Restless Infections - Public Art in South Africa. Pather hat das Live Art Network Africa initiiert, diente als Juror für den International Award for Public Art, als Vorstandsmitglied des National Arts Festival of South Africa und wurde kürzlich von der französischen Regierung zum Chevalier des Arts et des Lettres ernannt.
  • Philippe Pirotte ist Professor für Kunstgeschichte und Curatorial Studies an der Städelschule in Frankfurt am Main und außerordentlicher Kurator des UC Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive. Von 2014 bis März 2020 war er Rektor der Städelschule und Direktor der Ausstellungshalle Portikus. Von 2005 bis 2011 war Pirotte Direktor der Kunsthalle Bern und von 2003 bis 2013 Chefberater der Rijksakademie in Amsterdam. Kürzlich kuratierte Philippe Pirotte die Gruppenausstellung Arus Balik für das Centre for Contemporary Art in Singapur (2019) und war Mitglied des Kuratorenteams der Jakarta Biennale im Jahr 2017. Derzeit ist Pirotte Empfänger eines Andy Warhol-Foundation for Visual Arts Fellowship zur Erforschung des kulturellen und künstlerischen Austauschs, entstanden nach der Asien-Afrika-Konferenz von 1955 in Bandung, Indonesien.
  • Alya Sebti leitet seit 2016 die ifa Galerie Berlin (Institut für Auslandsbeziehungen), wo sie ein Forschungs- und Ausstellungsprogramm entwickelt, das koloniale Strukturen in zeitgenössischen Gesellschaften untersucht. Sie ist Teil des künstlerischen Teams der Manifesta 13, die 2020 in Marseille stattfindet. 2018 war sie Gastkuratorin der 13. Dak'Art, Biennale für zeitgenössische afrikanische Kunst, und 2014 war sie die künstlerische Leiterin der 5. Marrakesch Biennale. Sie hat mehrere Ausstellungen kuratiert, darunter: invisible im Musée de l'IFAN in Dakar, Carrefour/Treffpunkt in den ifa Galleries, Casablanca, Energie Noire als Teil von Mons 2015 - Europäische Kulturhauptstadt und Now Eat My Script in den KW Institute for Contemporary Art Berlin (2014). Sie hat über Kunst und den öffentlichen Raum, über Biennalen und transkulturelle Kunstpraktiken publiziert und gelehrt, u.a. im: Haus der Kulturen der Welt, Berlin; Thessaloniki Biennale (GR); Universität von Addis Abeba, Äthiopien; KW Institute for Contemporary Art, Berlin; Internationale Akademie Salzburg (Österreich); New York University, Berlin; Le Cube Art Centre, Rabat.

Interaktive Webdoku TURN

Unsere Webdoku TURN porträtiert einige der zwischen 2012 und 2020 im Fonds TURN – Vorläufer des Fonds TURN2 – geförderten Projekte und lässt beteiligte Künstlerinnen, Kuratoren, Regisseurinnen, Performer, Musiker und Expertinnen aus Deutschland und afrikanischen Ländern zu Wort kommen. Sie erzählen von der gemeinsamen künstlerischen Arbeit, von Ergebnissen, Chancen, Schwierigkeiten und Hoffnungen. In den Film integriert sind interaktive Buttons, die zu weiteren Clips, Websites, Fotos u.v.m. verlinken.

Besonderer Dank geht an die beteiligten TURN-Projekte sowie an die Filmproduktion Basiliscus Film (externer Link, öffnet neues Fenster) Berlin.

TURN2 Residencies

Die TURN2 Residencies sind eine Kooperation der Kulturstiftung des Bundes, des ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U Berlin) (externer Link, öffnet neues Fenster) und des Triangle Network (externer Link, öffnet neues Fenster) und werden in Zusammenarbeit mit der Bag Factory (externer Link, öffnet neues Fenster) in Johannesburg, dem Nairobi Contemporary Art Institute (NCAI) (externer Link, öffnet neues Fenster) in Nairobi und der G.A.S. Foundation (externer Link, öffnet neues Fenster) in Lagos durchgeführt.

Die TURN2 Residencies fördern die gezielte Anbahnung von künstlerischen Partnerschaften und internationalen Netzwerken zwischen Einrichtungen der bildenden Kunst in Deutschland und afrikanischen Kuratoren bzw. Kulturschaffenden mit kuratorischer Erfahrung sowie zwischen Einrichtungen und Akteuren der bildenden Kunst in afrikanischen Ländern und deutschen Kuratorinnen bzw. Kulturschaffenden mit kuratorischer Erfahrung. Ziel dieses Austausches ist die Vorbereitung von Kooperationsprojekten sowie eine Anbindung deutscher Kultureinrichtungen und Kuratoren an internationale Netzwerke der bildenden Kunst mit afrikanischen Ländern.

Die TURN2 Residencies bestehen aus zwei Modulen: Modul 1 ermöglicht zwölf Nachwuchskuratorinnen und -kuratoren sowie Kulturschaffenden mit kuratorischer Erfahrung (Bildende Künste, interdisziplinär) aus afrikanischen Ländern, einen Rechercheaufenthalt von drei Monaten in Berlin am ZK/U zu absolvieren, während Modul 2 neun Rechercheaufenthalte von zwei Monaten für Kuratoren bzw. Kulturschaffenden am NCAI in Nairobi, an der G.A.S. Foundation in Lagos oder der Bag Factory in Johannesburg fördert. An allen Orten handelt es sich um Recherche- und Arbeitsaufenthalte, die nicht unbedingt auf die Realisierung eines Ausstellungsprojektes ausgerichtet sind, in dessen Rahmen jedoch die Vernetzung mit etablierten Kunsteinrichtungen unterstützt werden, um nachfolgende Kooperationen anzuregen.

Residencies und Fellows in Berlin

Kuratorinnen und Kuratoren sowie Kulturschaffende mit kuratorischer Erfahrung (Bildende Kunst, interdisziplinär) aus afrikanischen Ländern sind eingeladen, einen Arbeits- und Rechercheaufenthalt von drei Monaten am ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U Berlin) zu absolvieren. Die Ausschreibungen erfolgen in zwei Bewerbungsrunden durch einen internationalen Open Call. Die Fellows erhalten ein monatliches Stipendium von 1.500 Euro. Zusätzlich übernommen werden Reise- und Transportkosten sowie Unterkunft und Recherchekosten.

Die Fachjury der TURN2 Residencies hat sich im Juni 2021 für die Förderung folgender Fellows (externer Link, öffnet neues Fenster) entschieden:

  • ZK/U Berlin: Laura Ganda (Harare), Mike Mavura (Kapstadt), Renée Akitelek Mboya (Nairobi), Sibongile Msimango (Johannesburg), Luamba Muinga (Luanda), Luvuyo Equiano Nyawose (Kapstadt)

Residencies und Fellows in Nairobi, Lagos und Johannesburg

Kuratorinnen und Kuratoren sowie Kulturschaffende mit kuratorischer Erfahrung aus Deutschland sind eingeladen, einen Arbeits- und Rechercheaufenthalt an einem der drei afrikanischen Mitgliedsorte des Triangle Network (Bag Factory in Johannesburg, Nairobi Contemporary Art Institute (NCAI), G.A.S. Foundation in Lagos) zu absolvieren. Die Fellows erhalten ein monatliches Stipendium von 1.500 Euro. Zusätzlich übernommen werden Reise- und Transportkosten sowie Unterkunft und Recherchekosten. Pro Partner werden drei Fellows für einen Aufenthalt von zwei Monaten ausgewählt.

Die Fachjurys der TURN2 Residencies haben sich im Juni 2021 für die Förderung folgender Fellows (externer Link, öffnet neues Fenster) entschieden:

  • G.A.S. Foundation in Lagos: Lynhan Balatbat Helbock (Berlin), Miriam Bettin (Köln), Mahret Ifeoma Kupka (Frankfurt a. M.)
  • Bag Factory in Johannesburg: Federica Bueti (Berlin), Vincent Schier (Berlin/Göttingen), Sofia Ana Elise Steinvorth (Würzburg)
  • NCAI in Nairobi: Jumoke Adeyanju (Berlin), Nathalie Anguezomo Mba Bikoro (Berlin), Kathy-Ann Tan (Berlin)

Jurys TURN2 Residencies

  • TURN2 Residencies Berlin: Iris Dressler (Württembergischer Kunstverein Stuttgart), Philip Horst (ZK/U Berlin), Folakunle Oshun (Lagos Biennale)
  • TURN 2 Residencies Johannesburg: Candice Allison (Bag Factory Johannesburg), Kathrin Beßen (Kunstsammlung NRW), Julia Grosse (Contemporary&),
  • TURN 2 Residencies Lagos: Kathrin Beßen (Kunstsammlung NRW), Julia Grosse (Contemporary&), Yinka Shonibare (G.A.S. Foundation Lagos)
  • TURN 2 Residencies Nairobi: Michael Armitage (Nairobi Contemporary Art Institute (NCAI)), Kathrin Beßen (Kunstsammlung NRW), Julia Grosse (Contemporary&)
  • Candice Allison ist eine unabhängige Kuratorin, Wissenschaftlerin und Autorin in Südafrika. Derzeit ist sie Direktorin der Bag Factory in Johannesburg und Doktorandin im Fachbereich Geschichte an der University of the Western Cape, wo sie über kuratorische und museale Ethik im Südafrika nach der Apartheid forscht. Sie hat lokal und international Ausstellungen kuratiert, u.a. im New Church Museum in Kapstadt, wo sie von 2013-2016 als Kuratorin tätig war, in der Iziko South African National Gallery, im Stellenbosch University Museum, in der Goodman Gallery Cape Town, in der National Gallery of Zimbabwe, im Kalmar Konstmuseum und in der Sodertalje Konsthal in Schweden sowie bei BODE Projects in Deutschland.
  • Michael Armitage ist ein internationaler Künstler und arbeitet zwischen Nairobi und London, wo er von 2007 bis 2010 an der Slade School of Fine Art und den Royal Academy Schools studierte. Armitage hat an der 58. Biennale von Venedig teilgenommen und hatte Einzelausstellungen in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Turin; Museum of Contemporary Art, Sydney; Museum of Modern Art, New York in Zusammenarbeit mit dem Studio Museum Harlem; der Norval Foundation, Kapstadt und Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen. Im September 2020 eröffnete Armitage seine Einzelausstellung „Paradise Edict“ im Haus der Kunst, München, die ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Nairobi Contemporary Art Institute (NCAI) umfasst, einer gemeinnützigen Plattform, die Armitage mit der Direktorin Ayako Bertolli entwickelt. „Paradise Edict“ ist seitdem in die Royal Academy of Arts, London, gewandert, wo sie derzeit bis zum 19. September zu sehen ist.
  • Kathrin Beßen ist Kuratorin an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, verantwortlich für folgende Projekte: „Unter der Erde. Von Kafka bis Kippenberger“ (Co-Kuratorin, 2014), „museum global“ (Co-Kuratorin des Forschungs- und Ausstellungsprojekts, 2014-2018), „Cao Fei“ (2018), „Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945“ (2020), „Christoph Schlingensief. Kaprow City“ (2021) und „Open Space. Nichts als Zukunft“ (Co-Kuratorin, 2021). Nach verschiedenen Tätigkeiten im Kunsthandel und Museum war sie zuvor langjährige Assistentin der ehemaligen Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Marion Ackermann. 
  • Iris Dressler leitet seit 2005 mit Hans D. Christ den Württembergischen Kunstverein in Stuttgart. Dressler und Christ haben 1997 den Hartware Medienkunstverein in Dortmund gegründet. 2019 waren sie künstlerische Leiter:innen der Bergen Assembly und 2017 die Leiter:innen der Project Biennial of Contemporary Art D-0 ARK Underground in Bosnien-Herzegowina. Dressler hat mit Künstler:innen wie Alexander Kluge, Imogen Stidworthy, Ines Doujak, Teresa Burga, Peggy Buth oder Stand Douglas im Rahmen von Einzelausstellungen zusammengearbeitet und hat verschiedene kollektive Modelle des Kuratierens erprobt. Sie hat zahlreiche Texte zur zeitgenössischen Kunst veröffentlicht und an verschiedenen Kunsthochschulen gelehrt. Derzeit bereiten Dressler und Christ unter anderem eine Einzelausstellung von Carrie Mae Weems vor.  
  • Julia Grosse ist Mitbegründerin und künstlerische Leiterin der Plattform Contemporary And (C&). Sie ist Dozentin am Institut für Kunst im Kontext an der Universität der Künste in Berlin und seit Juni 2021 Assoziierte Kuratorin am Gropius Bau. Grosse studierte Kunstgeschichte und arbeitete als Kolumnistin und Kunstjournalistin in London für die taz, FAZ und das AD Magazine. Sie ist Autorin und Mitherausgeberin von Büchern, u.a. „Ein Leben lang“ (Hoffman und Campe 2018). Im Jahr 2020 kuratierte sie „Friendly Confrontations: Festival für globale Kunst und Institutionskritik“ an den Kammerspielen München und wurde (zusammen mit Yvette Mutumba) mit dem Preis European Cultural Manager of the Year ausgezeichnet.
  • Philip Horst ist Mitbegründer des Künstlerkollektivs KUNSTrePUBLIK, in dem er seit 2006 seine künstlerische und kuratorische Praxis im öffentlichen Raum umsetzt. KUNSTrePUBLIK verbindet globale Diskurse mit lokalen Handlungsvorschlägen und untersucht diese an der Schnittstelle von Kunst, Forschung und dem umgebenden Alltag in urbanen Situationen. Als Mitbegründer und Ko-Direktor des ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin leitet Philip Horst seit 2012 eine KünstlerInnen-Residenz, die sich als Forschungs- und Produktionsort für gesellschaftliche Fragen und als Raum für Ausstellungen, Konferenzen, Workshops und andere Formate versteht. Dabei ist die Mischung verschiedener Lebenswelten elementares Ziel.
  • Folakunle Oshun ist ein nigerianischer Künstler und Kurator, der zwischen Lagos und Berlin lebt. Seine bildhauerische Praxis beschäftigt sich mit der Relativität von Formen und der Kartierung von Umlaufbahnen und obskuren Räumen. Die meisten seiner Kreationen entstehen aus Ton, wobei er die grenzenlosen Möglichkeiten und den fließenden Umgang mit dem Material nutzt und so Raum für nie dagewesene Möglichkeiten schafft. Seine jüngste Kreation ist eine der Schwerkraft trotzende Installation mit dem Titel "Museum der Hoffnung", die derzeit im historischen Berliner Dom gezeigt wird. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Bildender Kunst mit Schwerpunkt Bildhauerei (2007) und einen Master-Abschluss in Kunstgeschichte (2012), beide von der University of Lagos. Im Jahr 2017 gründete Folakunle die Lagos Biennale, eine Künstlerinitiative der Akete Art Foundation. 2017 wurde er als erster Empfänger des Curator-in-Residence-Stipendiums der Landeshauptstadt Potsdam, Brandenburg, Deutschland, ausgewählt. Derzeit ist er Gastkurator an der Pinakothek der Moderne in München.
  • Yinka Shonibare CBE RA ist ein in London, Großbritannien, lebender Künstler. Er studierte Bildende Kunst an der Byam Shaw School of Art in London und erhielt seinen Master of Fine Arts an der Goldsmiths, University of London. Seine interdisziplinäre Praxis nutzt Zitate der westlichen Kunstgeschichte und Literatur, um die Gültigkeit zeitgenössischer kultureller und nationaler Identitäten im Kontext der Globalisierung zu hinterfragen. Indem er Rasse, Klasse und die Konstruktion kultureller Identität untersucht, kommentieren seine Arbeiten die verworrene Beziehung zwischen Afrika und Europa und ihre jeweilige wirtschaftliche und politische Geschichte. Im Jahr 2004 wurde er für den Turner Prize nominiert. Im Jahr 2013 wurde er zum Royal Academician (RA) gewählt und erhielt 2019 die Auszeichnung "Commander of the Order of the British Empire" (CBE). Im Jahr 2021 wurde Shonibare mit dem renommierten Whitechapel Gallery Art Icon Award ausgezeichnet. Im Mai 2021 wurde eine große Retrospektive seines Werks im Museum der Moderne in Salzburg, Österreich, eröffnet. Shonibares Werke werden in Museen und öffentlichen Räumen auf der ganzen Welt gezeigt und befinden sich in namhaften internationalen Museumssammlungen, darunter die Tate Collection, London; Victoria and Albert Museum, London; National Museum of African Art, Smithsonian Institute, Washington, D.C.; Museum of Modern Art, New York; Moderna Museet, Stockholm; das Museum of Contemporary Art, Chicago; National Gallery of Modern Art in Rom und VandenBroek Foundation, Niederlande.

Partnerinstitutionen und Residenzstandorte

  • Das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U Berlin) ist ein Ort der Kunstproduktion, eine Künstler- und Forscher*innen-Residenz und eine Programmplattform in Berlin, das lokales Schaffen mit globalen Diskursen verbindet. Das ZK/U untersucht vorhandene Wissensformen und Praktiken in urbanen Räumen als Sprungbrett für die Selbstbestimmung des Einzelnen und der Gemeinschaft. Das ZK/U fördert den Ausbau belastbarer und integrativer Netzwerke, die den Komplexitäten des städtischen Lebens im 21. Jahrhunderts gerecht werden.
  • Das Triangle Network wurde 1982 gegründet und ist ein globales Netzwerk von Künstlern und Organisationen der bildenden Kunst, das die professionelle Entwicklung und den kulturellen Austausch zwischen KünstlerInnen, KuratorInnen und anderen Kunstschaffenden auf der ganzen Welt unterstützt. Administrativ hat das Netzwerk seinen Sitz in den Gasworks in London, dessen Vorsitzender Alessio Antoniolli auch das Netzwerk koordiniert. Das Nairobi Contemporary Art Institute, G.A.S. Lagos und die Bag Factory in Johannesburg sind aktuell Partner im Triangle Network. Im Rahmen der TURN2 Residencies soll das ZK/U Berlin ebenfalls Partner im Triangle Network werden.
  • Die Bag Factory wurde 1991 in Newtown, Johannesburg, von David Koloane und Robert Loder als einer der ersten unabhängigen Kunstorte Südafrikas gegründet. Seit ihrer Gründung stellt die gemeinnützige Organisation einer generationenübergreifenden Gruppe von in Johannesburg lebenden Künstlern Atelierräume zur Verfügung und veranstaltet internationale Künstleraufenthalte.
  • Das Nairobi Contemporary Art Institute (NCAI) wurde vom britisch-kenianischen Künstler Michael Armitage gegründet und widmet sich der Förderung zeitgenössischer Kunst in Ostafrika.
  • Die Guest Artists Space (G.A.S.) Foundation wurde 2019 von dem  britisch-nigerianischen Künstler Yinka Shonibare unter dem Dach der Yinka Shonibare Foundation (UK) gegründet. Sie ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Förderung des internationalen künstlerischen Austauschs und der Entwicklung kreativer Praktiken durch Künstleraufenthalte und internationale Zusammenarbeit widmet.

TURN2 Lab

Anknüpfend an die TURN-Meetings 2014 und 2016 sowie an das wachsende Interesse europäischer Kulturinstitutionen am interdisziplinären Austausch mit dem afrikanischen Kontinent finden unter dem Titel TURN2 Lab transkontinentale Akademieveranstaltungen zu neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika statt. Die Veranstaltungen wenden sich an afrikanische wie europäische Vertreterinnen und Vertreter aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik oder Ökonomie. Themenfelder können zum Beispiel internationale Kulturpolitik, ökologische Nachhaltigkeit, Kulturelle Bildung und Nachwuchsförderung, Mobilität, zeitgenössische Kunstproduktion oder auch internationale Förderprogramme sein.

Wichtige Informationen zum Antrag

Höhe des Fonds

Die Kulturstiftung des Bundes stellt für das Programm TURN2 – Künstlerische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern, die Fortführung des Fonds TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern, bis zum Jahr 2024 insgesamt 4 Mio. Euro zur Verfügung.

Termine

  • 17. Februar, 2021 : Online-Antragsberatung im TURN2 Fonds (auf Deutsch)

    10 - 12 Uhr - Anmeldung unter turn2@kulturstiftung-bund.de

    MS Teams

  • 5. Februar, 2021 : Online-Antragsberatung im TURN2 Fonds (auf Englisch mit der Möglichkeit zu Fragen auf Französisch)

    10 - 12 Uhr - Anmeldung unter turn2@kulturstiftung-bund.de

    MS Teams

  • 3. Februar, 2021 : Online-Antragsberatung im TURN2 Fonds (auf Deutsch)

    10 - 12 Uhr - Anmeldung unter turn2@kulturstiftung-bund.de

    MS Teams

Kontakt

Anne Fleckstein

TURN – Künstlerische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und afrikanischen LändernKulturstiftung des BundesFranckeplatz 206110 Halle an der Saale
Tel: 49 (0)345 2997 130Fax: 49 (0)345 2997 333E-Mail an Anne Fleckstein