Mit ihrem Fonds TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern hat die Kulturstiftung des Bundes seit 2012 künstlerische Kooperationsprojekte mit dem afrikanischen Kontinent gefördert. In den vergangenen acht Jahren hat der Fonds TURN spartenübergreifend 101 internationale Kooperationsprojekte mit 12 Millionen Euro gefördert. Hierbei waren kulturelle Akteurinnen und Akteure aus über 30 Partnerländern auf dem afrikanischen Kontinent beteiligt.

Nach acht Jahren TURN hat die Nachfrage nach Förderangeboten, die eine künstlerische Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Ländern und Deutschland intensivieren, nicht nachgelassen und wächst weiterhin besonders in den deutschen Kulturinstitutionen. Die Erfahrungen aus den bisherigen TURN-Projekten machen deutlich, dass Debatten – etwa zur Aufarbeitung kolonialer Herrschaft samt ihrer Folgen im 21. Jahrhundert oder zu Themen wie Migration, Klimagerechtigkeit oder globale Wirtschaftsordnungen – ohne umfassende Einbindung afrikanischer Positionen nicht zu führen sind. Aufbauend auf jahrelangen Erfahrungen aus TURN sowie auf den Gesprächen mit internationalen Expertinnen und Experten wird die Kulturstiftung des Bundes mit dem Programm TURN2 Neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa auch in Zukunft darauf hinwirken, finanzielle und strukturelle Asymmetrien zwischen afrikanischen und deutschen Partnern zu reflektieren, einen ebenbürtigen Austausch in die Wege zu leiten und die Erfahrungen hieraus in öffentliche Debatten hineinzutragen.

Das Programm TURN2 umfasst drei Förderinstrumente: einen Fonds, ein Residenzprogramm sowie transkontinentale Akademien.

TURN2 Fonds

Der Fonds gewährt auf Antrag Fördermittel für künstlerische und kulturelle Projekte, die im Rahmen von transnationalen Kooperationen mit Partnern aus afrikanischen Ländern zustande kommen. Die Projekte müssen mindestens einen afrikanischen Partner haben, können aber noch weitere internationale Partner einschließen. Die Projekte sollen auch Veranstaltungen in den jeweiligen afrikanischen Partnerländern vorsehen. Der TURN2 Fonds wird bundesweit ausgeschrieben. Die Mindestfördersumme beträgt 50.000 Euro. Die Projekte müssen eine durch Eigen- und/oder Drittmittel gesicherte Finanzierung von 20% an den Gesamtkosten erbringen. Für den TURN2 Fonds sind zwei Antragsrunden mit einer Fördersumme von jeweils bis zu 1,5 Mio. Euro vorgesehen.

Einsendeschlüsse im TURN2 Fonds

Der Einsendeschluss für die erste Förderrunde ist der 1. März 2021 und für die zweite Förderrunde der 1. März 2022. Die Fördergrundsätze und Antragsmodalitäten werden in Kürze hier bekannt gegeben.

TURN2 Residencies

Das Residenzprogramm ermöglicht einer Anzahl von voraussichtlich insgesamt dreißig ausgewählten Nachwuchskuratorinnen und -kuratoren aus Deutschland und afrikanischen Ländern Rechercheaufenthalte in Deutschland (Berlin) bzw. in Kenia (Nairobi), Südafrika (Johannesburg) oder Nigeria (Lagos). Es handelt sich um Recherche- und Arbeitsaufenthalte, die sich dem Aufbau von Arbeitsbeziehungen mit etablierten Kunst- und Kultureinrichtungen widmen.

Der für die organisatorische Gesamtleitung des Residenzprogramms und die Durchführung der Residenzen in Deutschland zuständige Partner ist das Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) in Berlin. Das ZK/U gewährleistet die Vernetzung von afrikanischen Kuratorinnen und Kuratoren mit etablierten deutschen Kunsteinrichtungen und eine intensive Betreuung der afrikanischen Stipendiatinnen und Stipendiaten. Die afrikanischen Residenzpartner sind die Bag Factory in Johannesburg, das Nairobi Contemporary Art Institute (NCAI) und die Guest Artists Space (G.A.S.) Foundation in Lagos. Der Start des Residenzprogramms ist für 2021 vorgesehen. Die Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten erfolgt durch jeweilige Auswahlgremien, die sich aus externen Expertinnen und Experten sowie Vertretern der Partnerinstitutionen  zusammensetzen.
Ein zentraler Partner des ZK/U – insbesondere auch für den Austausch mit den afrikanischen Residenzpartnern – ist das Triangle Network in London, das seit Gründung im Jahr 1982 die professionelle Entwicklung und den weltweiten Austausch zwischen Künstlern und Organisationen der Bildenden Kunst unterstützt und ein etabliertes Netz von Mitgliedern in verschiedenen afrikanischen Ländern unterhält. Die Kooperation mit dem Triangle Network soll über das Residenzprogramm hinaus auch einen Beitrag leisten, interessierte deutsche Kunst- und Kultureinrichtungen in etablierte internationale Netzwerke einzubinden.

Der erste Einsendeschluss für die TURN2 Residencies ist für Frühjahr 2021 geplant. 

Residencies in Berlin

Voraussichtlich zwölf junge Kuratorinnen und Kuratoren sowie Kulturschaffende mit kuratorischer Erfahrung aus afrikanischen Ländern werden eingeladen, einen Arbeits- und Rechercheaufenthalt von drei Monaten am Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) in Berlin zu absolvieren. Die Ausschreibung erfolgt in zwei Bewerbungsrunden durch einen internationalen Open Call. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten ein monatliches Stipendium von 1.500 Euro. Zusätzlich übernommen werden Reise- und Transportkosten sowie Unterkunft und Recherchekosten.

Residencies in Nairobi, Lagos und Johannesburg

Voraussichtlich bis zu 18 Kuratorinnen und Kuratoren aus Deutschland werden eingeladen, einen Arbeits- und Rechercheaufenthalt an einem der drei afrikanischen Mitgliedsorte des Triangle Network (Bag Factory in Johannesburg, Nairobi Contemporary Art Institute (NCAI), G.A.S. Foundation in Lagos) zu absolvieren. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten ein monatliches Stipendium von 1.500 Euro. Zusätzlich übernommen werden Reise- und Transportkosten sowie Unterkunft und Recherchekosten. Für jeden der drei internationalen Residenzorte erfolgt ein eigener Open Call. Pro Partner werden bis zu sechs Stipendiatinnen und Stipendiaten für einen Aufenthalt von bis zu drei Monaten ausgewählt.

TURN2 Lab

Anknüpfend an die TURN-Meetings 2014 und 2016 sowie an das wachsende Interesse europäischer Kulturinstitutionen am interdisziplinären Austausch mit dem afrikanischen Kontinent finden unter dem Titel TURN2 Lab transkontinentale Akademieveranstaltungen zu neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika statt. Die Veranstaltungen wenden sich an afrikanische wie europäische Vertreterinnen und Vertreter aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik oder Ökonomie. Themenfelder können zum Beispiel internationale Kulturpolitik, ökologische Nachhaltigkeit, Kulturelle Bildung und Nachwuchsförderung, Mobilität, zeitgenössische Kunstproduktion oder auch internationale Förderprogramme sein.

Die Kulturstiftung des Bundes stellt für das Programm TURN2 – Neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa, die Fortführung des Fonds TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern, bis zum Jahr 2024 insgesamt 4 Mio. Euro zur Verfügung.

Kontakt

Anne Fleckstein

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Afrika - Internationaler Themenschwerpunkt Kulturstiftung des Bundes Franckeplatz 2 06110 Halle (Saale)
Tel: 49 (0)345 2997 130 Fax: 49 (0)345 2997 333 E-Mail