Wer an Danzig denkt, hat meistens eine alte Hansestadt im Kopf, Bilder von stillgelegten Werftanlagen oder von der großen Zeit des polnischen Protests, der sich mit Solidarność und Lech Wałêsa verbindet. Wenigen wird bekannt sein, dass in Danzig zwischen den Kriegen und danach auch bedeutende moderne Architektur entstanden ist. Namhafte deutsche und polnische Architekten haben das Bild der Stadt mitgeprägt, in Gdañsk und im benachbarten Seebad Sopot ihre Spuren hinterlassen. Während dieses Erbe in der Volksrepublik Polen vergleichsweise stark gepflegt wurde, tun sich heute viele Bewohner schwer, die moderne Architektur als Teil ihrer lokalen Tradition zu begreifen und identifizieren sich eher mit dem pittoresken Stil der rekonstruierten Altstadt.

"Unwanted Heritage" erforscht und dokumentiert die Geschichte von den Anfängen der modernistischen Architektur in Gdansk in Text und Bild und analysiert den heutigen Zustand der Gebäude. Der subjektiven Einstellung der Bewohner zu diesem Abschnitt der Gdañsker Baugeschichte wird ebenso Raum geboten. Die Ausstellung sowie das begleitende Symposium lösten in Gdañsk eine lebhafte Debatte aus.

Weil diese Reflexion der Moderne kein lokales, sondern ein internationales Phänomen ist, hat Büro Kopernikus eine Kooperation zwischen "Unwanted Heritage" und dem Projekt "Heimat_Moderne" in Leipzig vermittelt. "Heimat_Moderne" ist ein von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes spartenübergreifendes Kulturprojekt, das sich unter anderem Fragen des Städtebaus widmet: Warum fühlen sich die Bewohner einer Stadt in ihr heimisch? Wie kommt es, dass sie sich mit einer baugeschichtlichen Periode eher identifizieren als mit einer anderen? Zwar ist die Architektur von Leipzigs "klassischer" Moderne der Zwischenkriegszeit allgemein anerkannt, die Bauwerke der sozialistischen Nachkriegsmoderne werden jedoch erst allmählich gewürdigt.

Die Ausstellung in Gdansk zeigt einen kleinen Ausschnitt des Leipziger Projektes. Im Gegenzug enthält die Ausstellung über den Augustusplatz in Leipzig Querverweise auf Gdañsk. Im Juli sind Fragen nach Heimat und Moderne in beiden Ländern Thema einer Podiumsdiskussion in Leipzig. Darüber hinaus findet ein Expertenaustausch statt, an dem sich Städteplaner, Kunsthistoriker und Architekten beider Städte beteiligen.


Kooperierende Institutionen

Łaźnia Centre for Contemporary Art, Gdańsk; Experimentale e.V., Leipzig
Kuratoren
Jacek Friedrich, Wojciech Szymański, Agnieszka Wołodźko (Łaznia Zentrum für zeitgenössische Kunst, Gdańsk)
Martha Doehler-Behzadi, Lena Prents (Experimentale e.V., Leipzig)
Veranstaltungsorte und -termine
Gdańsk: 15. April - 29. Mai 2005, Łaźnia Zentrum für zeitgenössische Kunst
Leipzig, Oper: Ausstellung "Heimat Moderne - Modernen Heimat Leipzig" 6. Mai - 9. Juli 2005; Matinee "Was ist mir Heimat?" am 19. Juni 2005

Kon­takt

Agnieszka Wołodźko Łaźnia

Centre for Contemporary Art

Gdańsk

 

Martha Doehler-Behzadi
Experimentale e.V. Leipzig

info@heimatmoderne.de

Tel.:+49-341-1494-977

 

Isabel Raabe
Büro Kopernikus

Deutsch-Polnische Kulturprojekte

Blücherstraße 37 a

10961 Berlin

raabe@buero-kopernikus.org

Tel.: +49-30-6167-5971

Fax +49-(0)30-6167 59-80