Seit den 1990er Jahren ist die zeitgenössische Fotografie aus Mali und dem Senegal ins Blickfeld der internationalen Kunst-Öffentlichkeit gerückt. Insbesondere in den Metropolen Dakar und Bamako hat sich eine lebendige Szene entlang der Genres der Straßen-, Presse- und Studiofotografie mit eigenen Bildtraditionen und Ästhetiken entwickelt. Auch andere Formen der Dokumentarfotografie spielen eine große gesellschaftliche Rolle, als Informationsvermittlung für Leseunkundige beispielsweise, aber auch bei der Weitergabe von Überlieferungen und Erzählungen. Für diese angewandten Bereiche der Fotografie gibt es einen eigenen Markt. Für eine künstlerische Fotografie nach westlichem Vorbild existieren vor Ort jedoch nur wenige Ausbildungs- und Finanzierungsstrukturen.

Die heutigen Fotograf/innen in Bamako und Dakar dokumentieren in verschiedenen Generationen politische und gesellschaftliche Ereignisse, sie erzählen von Träumen und Wünschen, den sozialen Aufgaben der Fotografie und den Umbrüchen und Chancen, die sie als Teil des internationalen Kunstgeschehens mit seinen aktuellen und globalen Einflüssen sehen. Die Kunsthistorikerin Dr. Bärbel Küster und Studierende führten mit den Fotograf/innen in Bamako und Dakar Interviews, die in den Videostationen der Ausstellung zu sehen waren und in einem Begleitheft nachzulesen sind. Die Besucher bekamen die Möglichkeit, einen direkten Eindruck von den Arbeitsbedingungen, von Inspirationen und Vorbildern im Spannungsfeld zwischen westafrikanischen Wurzeln und globalem Kunstmarkt zu gewinnen.

In einem Workshop in Stuttgart reflektierten senegalesische, malische und deutsche Fotografen Arbeitsweisen sowie Konzepte des Erinnerns und der Oralität in der Fotografie.

Anfang 2015 war die Schau in Dakar und Saint-Louis zu sehen - kuratiert von dem senegalesischen Kurator und Fotografen Djibril Sy.

Projektleitung: Dr. Bärbel Küster
Kurator/innen: Wiebke Ratzeburg, Bärbel Küster, Djibril Sy (SN)

Künstler/innen: Aus Dakar: Angélina Nwachukwu, Elise Fitte-Duval, Mamdou Gomis, Ibrahima Thiam, Malika Diagana, Djibril Sy, Boubacar Touré Mandemory, Omar Victor Diop
Aus Bamako: Emmanuel Bakary Daou, Fatoumata Diabaté, Harandane Dicko, Amadou Sow, Malick Sidibe (Reproduktionen)

 

Termine

Ausstellung "Bamako und Dakar. Westafrikanische Fotografie heute" in Ulm (Stadthaus) 18.09.2014 - 23.11.2014

Ausstellung Dakar (Villages des Arts, Galerie Léopold Sédar Senghor) 3.01. - 17.01.2015

Ausstellung St.-Louis (Institut Français de Saint-Louis, Galérie du Fleuve) 10.01. - 30.1.2015
Ausstellung Dakar (Goethe-Institut) 21.01. - 20.2.2015
Ausstellung Bamako (Hippodrome) 3.11. - 30.11.2015

  • In der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 17.11. - 21.11.14

    Oralität in der Fotografie hat für viele Fotograf/innen eine große Bedeutung im kreativen Prozess: die direkte Kommunikation, die Beteiligung mündlicher Überlieferung, von Erzählungen und erzählten Erinnerungen erzeugen fotografische Erzählschichten. Wie entsteht daraus künstlerische Evidenz? Was ist der Stellenwert des Erzählens bzw. Erzähltwerdens im Medium der Fotografie? Welche Unschärfen und kreativen Öffnungen ergeben sich daraus?
    In diesem Prozess greifen die Fotograf/innen auf visuelle Archive und Traditionen zurück, die in lokale, wie auch internationale und transkulturelle Verflechtungen eingebunden sind. Oral history und die Auseinandersetzung mit Erinnerungen erzeugen das Material, das so zu einem Teil der fotografischen Produktion wird, wodurch die Fotografie das Archiv beständig erweitert und re/produziert.

    Die Künstler aus Mali, Senegal, Deutschland und der Schweiz diskutierten Konzepte des Erinnerns und der Oralität in ihrer spezifischen Praxis. Der Workshop stand in Verbindung mit dem Rechercheprojekt an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste zur oral history der zeitgenössischen Fotografie in Bamako/Mali und Dakar/Senegal. Die Ergebnisse zahlreicher Gespräche mit den Fotografen und Fotografinnen Fatoumata Diabaté, Malika Diagana, Harandane Dicko, Omar Victor Diop, Mamadou Gomis, Elise Fitte-Duval, Djibril Sy u.a. wurden zusammen mit den Arbeiten von zwölf senegalesischen und malischen Fotografen und Fotografinnen im Stadthaus Ulm vorgestellt.

    Die in Deutschland und der Schweiz tätigen Foto-Künstler Tobias Zielony, Malte Wandel, Lukas Einsele und Ricarda Roggan diskutierten ihre Konzepte im Prozess der Fotografie, den Status des Erzählens, widmeten sich den Fragen dazu, wer erzählt und wer erzählt wird, welche fotografischen Gesten anhand von Erzählungen und Überlieferungen oder auch aus ihrer Negation entstehen, gemeinsam mit den Fotografen aus Mali sowie Wissenschaftler/innen aus Deutschland und der Schweiz (Sibylle Omlin, Marie-Hélène Gutberlet und Bärbel Küster).

Ba­ma­ko - Da­kar on­line

TURN – Fonds für künst­le­ri­sche Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen Deutsch­land und afri­ka­ni­schen Län­dern

Mit dem Fonds TURN möchte die Kulturstiftung des Bundes möglichst viele unterschiedliche Institutionen in Deutschland anregen, sich mit dem künstlerischen Schaffen und den kulturellen Debatten in afrikanischen Ländern zu beschäftigen.

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Kon­takt

Staatliche Akademie der Bildenden Künste

Am Weißenhof 1

70191 Stuttgart

www.abk-stuttgart.de