We Yan Daudu

Ein dekoloniales queeres Glossar in Deutschland und Nigeria – gefördert im Fonds TURN2

Projektbeschreibung

Queere Identitäten der LGTBQ+ Community in Nigeria werden gesetzlich und gesellschaftlich geächtet, tabuisiert und stigmatisiert und sind Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung ausgesetzt. Der in Deutschland lebende Aktivist und Künstler Wasiu Oyegoke und der in Lagos lebende und gegen die Verhältnisse agierende Matthew Blaise von The Oasis Project kennen die Realitäten in Nigeria und machen für die Unterdrückung queerer Menschen u. a. eine wenig beachtete Tatsache verantwortlich: Das mangelnde Wissen über queere Traditionen in den unterschiedlichen Regionen des Landes. Bilder, Diskurse und Sprache sind oft westlich geprägt und tragen zur Unsichtbarmachung queerer afrikanischer Geschichte und Gegenwart bei. Die diversen sexuellen Ordnungen wurden im Rahmen der Kolonisation Nigerias brutal durch ein heteronormatives Diktat ersetzt und die Erinnerung an queere Traditionen kollektiv ausgelöscht. Der lange Arm der mentalen Kolonisation drückt sich mehr als 70 Jahre nach der Unabhängigkeit in homophoben Attacken aus, in einem Staat, der seine queeren Bürger nicht schützt, sondern sie als „unafrikanisch“ stigmatisiert.

Das Projekt „We Yan Daudu –­ Towards a decolonial queer vocabulary“ von Kampnagel Hamburg zusammen mit The Oasis Project in Lagos widmet sich der Erstellung eines Glossars neuer queerer Begriffe. Konkreter Ausgangspunkt sind die titelgebenden „Yan Daudu“ – sexuelle Outlaws in der Kultur der Hausa, die die dichotome Vorstellung männlicher und weiblicher Geschlechtsidentitäten hinterfragen. Yan Daudu werden gesellschaftlich weder als männlich noch als weiblich verstanden und haben eine hybride Gender-Identität – was lange Zeit gesellschaftlich als selbstverständlich akzeptiert wurde. Anhand ihrer Geschichte lässt sich aufzeigen, wie europäische Homophobie Eingang in gesellschaftliche und politische Dynamiken in Nigeria finden konnte, die zur Stigmatisierung und Verfolgung führte. Dieser Transfer lässt sich nicht rückgängig, aber sichtbar machen sowie analysieren und künstlerisch verhandeln – wofür neue Begrifflichkeiten jenseits von kolonialer Dominanz benötigt werden.

In dem Projekt soll eine Sammlung von ca. 30 neuen Begriffen, Neologismen oder bislang wenig bekannten Begriffen entstehen, die die queeren Traditionen unterschiedlicher afrikanischer Ethnien aufgreifen sowie auch Wortschöpfungen und -aneignungen, die westliche queere Konzepte infrage stellen und überschreiben. Dieses neue Vokabular versteht sich als dekoloniale Ergänzung zum westlich-akademischen ABC der Queerness. Die neuen Begriffe werden von Akteuren der queeren Community in Nigeria (kuratiert von Matthew Blaise) und diasporischen Künstlerinnen (kuratiert von Wasiu Oyegoke) in Form von Videos, Texten, Memes usw. für die digitale Distribution gestaltet. Auf diese Weise entsteht ein wachsendes digitales Archiv der queeren Geschichte Afrikas. Geplant sind zudem Performances, Keynotes und Panels in Lagos und Hamburg, die das Glossar kontextualisieren, performativ sichtbar machen und als Ort der Vernetzung dienen. Das Archiv wird an die Oasis-Projektwebsite und die Kampnagel-Website angedockt und bleibt weit über den Projektzeitraum hinaus online und erweiterbar.

Projektpartner: The Oasis Project, Lagos, Nigeria (https://oasisproject.co (externer Link, öffnet neues Fenster))

Künstlerische Leitung: Wasiu Oyegoke (DE)
KuratorInnen: Matthew Blaise (NG), Wasiu Oyegoke (NG)
Mit: Bisi Alimi (NG), Adenrele Oluwafemi Edun (NG), Ybnlprincess (NG)

Diskussion, Panel, Performance, Workshop (We Yan Daudu - New Glossary) 23.02.2023 - 26.02.2023 (tbc)
Diskussion, Ausstellung, Performance, Workshop, Panel (We Yan Daudu - New Queer Grammar) 23.03.2023 - 26.02.2023

Kontakt

Kampnagel – Internationale Kulturfabrik

Jarrestraße 20
20359 Hamburg
www.kampnagel.de (externer Link, öffnet neues Fenster)