09.06.2026 - Pressemitteilung der Kulturstiftung des BundesKulturstiftung des Bundes bewilligt 3,6 Mio. Euro für zwanzig herausragende Kunstprojekte

Die interdisziplinäre Fachjury der Allgemeinen Projektförderung hat in ihrer letzten Sitzung im Frühjahr 2026 zwanzig neue Projekte aus verschiedenen künstlerischen Sparten ausgewählt. Der Vorstand der Kulturstiftung des Bundes bewilligte nun auf dieser Grundlage eine Förderung von insgesamt rund 3,6 Millionen Euro.

In der Allgemeinen Projektförderung können Kulturschaffende zwei Mal im Jahr Fördergelder für Projekte aus allen künstlerischen Sparten beantragen: für Bildende und Darstellende Kunst, Literatur, Musik, Tanz, Film und Medienkunst, Fotografie oder Architektur. Damit fördert die Kulturstiftung des Bundes große, innovative Projekte im internationalen Kontext.

Geförderte Projekte der 49. Jurysitzung (in chronologischer Folge)

Out Loud | Foto- und Videokunst 

Mit dem Ausstellungsprojekt „Out Loud“ zeigt das Lausitzfestival 2026 Arbeiten des brasilianischen Gegenwartskünstlers Jonathas de Andrade, die sich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur auseinandersetzen und in Dialog treten mit Werken aus der Sammlung des Brandenburgischen Landesmuseums für Moderne Kunst in Cottbus, darunter Bilder des bekannten Ostkreuz-Fotografen Harald Hauswald, der zuletzt in der Lausitz fotografierte. 2027 wird die Ausstellung im Jewish Museum New York und der Pinacoteca de São Paulo gezeigt.

Dance is a Mother | Tanz 

Das FestivalDance is a Mother“ untersucht ab Sommer 2026 auf Kampnagel in Hamburg internationale Tanzstile der Hip-Hop- und Club-Dance-Kulturen nicht nur als neue, junge Phänomene in urbanen Zentren, sondern als Wissens- und Bewegungskulturen mit langen Traditionen in der afrikanischen Diaspora und im Widerstand gegen Unterdrückung. Im Rahmen des Festivals findet die erste „German Ballroom Conference“ statt.

16 GB: Tischtennisplattenpolitik | Theater & Performance 

Mit dem preisgekrönten Stück „16 GB: Tischtennisplattenpolitik“ von Zehra Sönmez und unter der Regie von Till Doğan Ertener widmet sich das Theater an der Parkaue – Junges Staatstheater Berlin migrantisch gelesenen Jugendlichen und deren selten gehörten Perspektiven. Die Inszenierung im Herbst 2026 wird von einem Vermittlungs- und Diskursprogramm begleitet und anschließend in Hamburg, Zürich und Wien gezeigt.

ROBIN5 | Theater & Performance 

Mit „ROBIN5“ entwickelt onlinetheater.live ab Herbst 2026 eine neue künstlerische Intervention auf sozialen Plattformen. Im Zentrum stehen fünf Social-Media-Figuren, die sich in unterschiedliche Online-Communities begeben und dort den häufig rechtsextremen Narrativen positive Erzählungen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit entgegensetzen. Ergänzt werden die Online-Interventionen durch Performances, Workshops, eine Fachkonferenz und ein Hörstück in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.

120 Jahre Internationaler Sozialist*innenkongress | Theater & Performance 

Im Frühjahr 2027 veranstaltet das Theater Rampe mit dem Literaturhaus Stuttgart und der Akademie Schloss Solitude das Lecture-Performance-Festival 120 Jahre Internationaler Sozialist*innenkongress im Stadtraum von Stuttgart. Hier wird künstlerisch erprobt, wie sich emanzipatorische Ideen heute neu formulieren lassen, dabei sind u.a. der Theatermacher Rabih Mroué, die Performerin Nicoleta Esinencu und der Choreograf Michael Turinsky.

After Now (AT) | spartenübergreifendes Festival 

Mit „After Now“ (AT) richtet das HAU Hebbel am Ufer mit lokalen und internationalen Künstlern im Frühjahr 2027 ein spartenübergreifendes Festival aus, das Krieg als Dauerzustand unserer Gegenwart und dessen gesellschaftliche Folgen in den Blick nimmt. Das künstlerische Programm wird durch Diskursveranstaltungen ergänzt.

Dramen der Gegenwart #3 | Theater & Performance 

Mit „Dramen der Gegenwart #3“ veranstaltet der Verband der Theaterautor:innen im Frühjahr 2027 im Haus der Poesie und im Ballhaus Ost in Berlin die dritte Ausgabe seines Festivals für zeitgenössische Dramatik. Im Fokus steht die Frage, wie sich neue Allianzen im Theaterbetrieb jenseits eingeschliffener Mechanismen und starrer Hierarchien entwickeln lassen.

Hard Bodies | Tanz 

Mit „Hard Bodies“ realisiert das Schauspiel Frankfurt im Frühjahr 2027 gemeinsam mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm eine großangelegte Tanzproduktion der österreichischen Choreografin Doris Uhlich, begleitet von einer musikalischen Liveperformance des Wiener Musikers Boris Kopeinig. Sie untersucht Härte als prägenden Zustand unserer Zeit, in der sich Anspannung und Polarisierung nicht nur in Diskurse, sondern auch in Körper einschreiben.

MaerzMusik Festival: Re-Visitation. A Quarter Note | Musik & Klangkunst

Das zeitgenössische und experimentelle Musikfestival MaerzMusik feiert im Frühjahr 2027 sein 25-jähriges Bestehen im Haus der Berliner Festspiele. Gemeinsam mit lokalen und internationalen Komponistinnen, Klangkünstlern und Denkerinnen will die Jubiläumsausgabe kanonische Musikgeschichte hinterfragen. Zugleich wird der Rückblick auf die Festivalgeschichte als Anlass genutzt, Zeit im musikalischen Sinne neu zu reflektieren.

Metropolis. Dystopia & Rebellion | Bildende Kunst 

Mit „Metropolis. Dystopia & Rebellion“ realisiert die Deutsche Kinemathek im Frühjahr 2027 eine innovative Ausstellung zum Jubiläum des Filmklassikers von Fritz Lang. Sie präsentiert einen Erlebnis- und Diskursraum mit künstlerischen Positionen, die sich aus gegenwärtiger Perspektive mit „Metropolis“ beschäftigen. Für die Ausstellung entwirft der Miniatur- und Modellbauer Simon Weisse eine begehbare Skulptur zwischen filmischer Vision und realer Architektur futuristischer Städte.

Song of Songs | Musik & Klangkunst

Das performative Konzert „Song of Songs“ widmet sich den vielschichtigen künstlerischen Traditionen von Mizrachim, jüdischen Menschen aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Ausgehend von einer künstlerischen Recherche an zentralen Orten der mizrachischen Kultur präsentiert ein internationales Ensemble seine Neuinterpretationen arabisch-jüdischer Klänge in immersivem Bühnenkonzept. Zu sehen im Frühjahr 2027 am HAU Hebbel am Ufer in Berlin und Herbst 2027 am Forum Freies Theater Düsseldorf.

Stellar Frequencies | Musik & Klangkunst

Stellar Frequencies“ ist ein Musik- und Ausstellungsprojekt des Goethe-Instituts Armenien und des armenischen NOPA-Soundart-Festivals zur Verflechtung von Weltraumforschung, Politik und planetarischem Denken. Das Armenian Centre for Contemporary Experimental Art (NPAK) in Jerewan zeigt ortsspezifische Arbeiten, die sich mit kosmologischen Mythen und der umstrittenen Nutzung des Weltraums beschäftigen. Zeitgleich wird die Himmelsscheibe von Nebra mit Sound-Art-Arbeiten in Armenien gezeigt. Weitere Stationen der Ausstellung sind das Haus der Kulturen der Welt in Berlin und die Arche Nebra in Sachsen-Anhalt im Frühjahr und Sommer 2027.

Sweet Dreams – Schlaf, Kultur, Design | Bildende Kunst 

Die interdisziplinäre Ausstellung Sweet Dreams“ beschäftigt sich mit Schlaf als menschlichem Grundbedürfnis und reflektiert, wie sich Dauer und Qualität von Schlaf je nach Kultur, Epoche und Rahmenbedingungen unterscheiden und verändern. Als europäische Kooperation ist sie ab Frühjahr 2027 erst im Vitra Design Museum in Weil am Rhein und anschließend im Centre de Cultura Contemporània in Barcelona (CCCB) zu sehen. Gezeigt werden internationale Werke aus Kunst, Design, Architektur, Film und Literatur ebenso wie Forschungsbeiträge aus Psychologie, Medizin und Biologie.

Entangled Destinies | Tanz 

Mit „Entangled Destinies“ bringt das International Dance Festival München anlässlich der 20. Edition der Münchener Tanzbiennale im Sommer 2027 ein Sonderprogramm mit Arbeiten des zeitgenössischen Tanzes aus dem arabischen Raum auf die Bühne. Tanz dient hier als Praxis, um stereotype Bilder und Vorurteile zu überwinden und den Körper als Ausdrucksmittel für Mehrdeutigkeit und individuelle Erfahrungen zu nutzen.

Everybody say NO!  | Musik & Klangkunst

Ab dem Jahr 2026 übernehmen Katharina Germo und Juliane Hahn die künstlerische Leitung des Kunstfest Weimar. Für den Sommer 2027 planen sie das Musik-Performance-ProjektEverybody say NO!“. Die Musikproduktionen beleuchten Blues und Punk in der DDR, Jugo-Rock in Serbien, K-Pop in Südkorea und Mahraganat in Ägypten als Ausdruck zivilen Ungehorsams und widerständiger Jugendkultur.

Tor zur Welt – Wie wir unsere Zukunft zurückgewinnen | Theater & Performance 

Mit „Tor zur Welt“ entsteht im Sommer 2027 am Theater Magdeburg ein groß angelegtes Musiktheaterstück. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Perspektiven der jungen Generation zu: Die grundlegenden Impulse und Inhalte zur Produktion werden in künstlerischen Laboren mit Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 16 Jahren erarbeitet. Auf dieser Grundlage entwickeln professionelle Ensemblemitglieder aus allen Sparten gemeinsam mit Bürgern der Stadt Magdeburg eine Inszenierung.

Worst Case Scenarios (AT) | Theater & Performance 

Worst Case Scenarios“ (AT) ist eine szenische Installation über die Arbeit von NGOs in internationalen Kriegs- und Krisengebieten, die Rimini Protokoll gemeinsam mit Expertinnen aus dem Feld entwickelt und im Sommer 2027 auf die Bühne bringt. Nach der Uraufführung im Schauspielhaus Wien sind Gastspiele im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin und dem Theater Rampe in Stuttgart geplant.

Resonant Roots (AT) | Bildende Kunst 

Die Akademie der Künste präsentiert ab Herbst 2027 gemeinsam mit dem Roma Institute for Arts and Culture und weiteren internationalen Partnern das Ausstellungs- und Forschungsprojekt „Resonant Roots“ (AT) zum Einfluss der Kunst von Sinti*zze und Rom*nja auf die moderne und zeitgenössische Kunst und Kultur in Europa. Künstlerische Werke von u. a. Małgorzata Mirga-Tas, Selma Selman und Daniel Baker werden in Dialog gebracht mit Nicht-Rom*nja-Künstler*innen, darunter Rebacca Horn und Hito Steyerl.

Das Urteil | Theater & Performance

Das Urteil“ ist eine gemeinsame Theaterproduktion des Staatstheaters Cottbus und des deutschsprachigen Ensembles des rumänischen Nationaltheaters Radu Stanca in Sibiu. Ausgehend von der klassischen Situation einer Gerichtsverhandlung entfaltet das Stück einen vielschichtigen Verhandlungsraum über Verantwortung, Zweifel und Bedingungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Das Geschworenengremium spiegelt unterschiedliche soziale Hintergründe, politische Haltungen, Sprachen und religiöse Überzeugungen wider. An beiden Orten wird das Stück in den Jahren 2027 und 2028 aufgeführt.

Verpiss dich nach Berlin! (AT) | Theater & Performance

An vielen Schulen in Deutschland nimmt rechtsextreme Gewalt zu. Lehrkräfte werden eingeschüchtert und bedroht, junge Menschen gezielt umworben. Das Theater der Jungen Welt greift mit dem Projekt „Verpiss dich nach Berlin! – Rechtsextremismus an Europas Schulen“ (AT) dieses Thema gemeinsam mit dem ungarischen Örkeny-Theater und dem niederländischen Theater Artemis im Rahmen einer europäischen Theater-Kooperation auf. Sie entwickeln drei Stücke, die im Frühjahr 2028 gemeinsam in Leipzig aufgeführt werden.

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