Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz ist kein festgelegtes Schicksal, sondern kann aktiv gestaltet werden. Wer KI entwickelt, wer von ihr profitiert und welche Grundsätze in sie eingeschrieben werden, sind daher öffentliche und demokratische Fragen. Diese zu beantworten, kann nicht allein Technologieunternehmen überlassen werden, auch Zivilgesellschaft und Kultur brauchen eine Stimme. Mit dem Förderprogramm „Kunst & KI" nimmt die Kulturstiftung des Bundes diese Rolle ernst: Es ist das erste bundesweite Programm, das Kulturinstitutionen und Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlicher Sparten ermöglicht, die gesellschaftlichen Folgen von KI zu untersuchen und alternative Vorstellungen ihres Einsatzes zu entwickeln.
Die elf geförderten Projekte fragen: Wer bestimmt, wie KI-Systeme lernen? Welche Machtstrukturen werden in ihnen fortgeschrieben? Wie verändert generative KI unser Verständnis von Sprache? Und was bedeutet es, wenn künstlerisches Schaffen zunehmend maschinell simuliert wird? Kunst eröffnet Perspektiven, die in rein technologischen oder wirtschaftlichen Debatten systematisch fehlen. Sie macht erfahrbar, was abstrakte Daten bedeuten, benennt, was auf dem Spiel steht, und schafft Räume, in denen andere Vorstellungen einer digitalen Zukunft erprobt werden.
Mit „Kunst & KI" stärkt die Kulturstiftung des Bundes Kunst- und Kulturinstitutionen bundesweit als Orte gesellschaftlicher Verständigung über KI, als Reflexionsraum und zugleich als aktiver Ort ihrer Mitgestaltung. Am 9. Oktober stellen alle geförderten Vorhaben ihre Arbeit im Rahmen der ersten Akademie des Förderprogramms in Dortmund vor.
Erste Projekte werden sichtbar
Als eines der ersten Projekte eröffnet nun am 26. Juni 2026 die Ausstellung „Starmirror" des Künstlerduos Holly Herndon und Mat Dryhurst im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die Installation macht den Entstehungsprozess von KI-Systemen – die Sammlung und Verarbeitung menschlicher Daten – unmittelbar körperlich erfahrbar und lädt zur Auseinandersetzung mit Urheberrecht, Datennutzung und maschinellem Lernen ein. Herndon und Dryhurst gehören zu den international bekanntesten Künstlerinnen und Künstlern, die sich seit Jahren mit den Machtfragen rund um KI und künstlerisches Schaffen beschäftigen. Eine erste Station war mit anderen Daten bereits in den KW in Berlin zu sehen.
Im Herbst 2026 folgen weitere öffentliche Veranstaltungen:
24. September, Kunsthalle Osnabrück: Das Projekt „School of Cow Comfort" diskutiert gemeinsam mit Expertinnen aus KI und Landwirtschaft, wie KI-Technologien die Landwirtschaft und andere grundlegende Lebensbereiche verändern und welche Rolle Kunst dabei spielen kann, diese Veränderungen zu begleiten.
9. Oktober, Akademie für Theater und Digitalität, Dortmund: Im Rahmen der ersten Akademie des Förderprogramms der Kulturstiftung des Bundes stellen alle geförderten Vorhaben ihre Arbeit vor. Eine Podiumsdiskussion macht die kulturpolitischen Fragen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.
22. Oktober, Haus der Kunst, München: Ein Studientag mit Stimmen aus Philosophie, KI-Forschung und kritischer Theorie, ausgehend vom Projekt „OUR BR00D" des Kollektivs OMSK Social Club. Im Mittelpunkt: Welche sozialen Strukturen heutige KI-Systeme prägen und welche anderen denkbar wären.
24. Oktober, PAD-Festival, Wiesbaden: Vier geförderte Projekte geben beim Festival für Performing Arts und Digitalität Einblicke in ihre Arbeit: „Echoes of the Unwritten" (Jüdisches Museum Frankfurt am Main), „The System Cannot Fail" (MiR.LAB Gelsenkirchen), „Kaspar 2028" (Residenztheater München) und „[Who] Rules to Encounter" (Akademie für Theater und Digitalität Dortmund).
Im Jahr 2027 folgen Ausstellungen sowie Theater- und Musikprojekte u. a. in Dresden, Berlin, Gelsenkirchen, München und Frankfurt am Main.
Über „Kunst & KI"
„Kunst & KI" ist ein Programm der Kulturstiftung des Bundes für neue künstlerische Perspektiven auf KI und Gesellschaft. Das Programm richtet sich an gegenwartsorientierte Kulturinstitutionen und frei produzierende Künstlergruppen aller Sparten und verknüpft zwei Ebenen: die künstlerische Arbeit mit KI-Technologien einerseits und die Reflexion ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen andererseits. Die geförderten Projekte werden dabei ausdrücklich ermutigt, sich mit gemeinwohlorientierter Technologieanwendung auseinanderzusetzen – etwa mit Open-Source-Lizenzen, ressourcenschonendem Einsatz von KI und dem verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Die elf geförderten Projekte wurden Ende Juni 2025 von einer interdisziplinären Fachjury ausgewählt. Neben der Projektförderung umfasst das Programm Werkstätten, Akademien und öffentliche Veranstaltungen. Für das Programm stellt die Kulturstiftung des Bundes bis 2028 rund 3,68 Millionen Euro zur Verfügung. www.kulturstiftung-des-bundes.de/kunstundki