Der israelische Künstler Absalon, 1993 im Alter von nur 28 Jahren verstorben, schuf in wenigen Lebensjahren ein Werk von außerordentlicher Komplexität und ungewöhnlicher Geschlossenheit, das das KW Institute for Comtemporary Art erstmals in einer umfassenden Einzelausstellung zeigte. Absalons Arbeiten erschließen Räume auf eine systematische Art - durch unkonventionelle Einteilungen und Auswahl- und Ordnungsprinzipien, die tradierte Nutzungs- und Funktionskonzepte in Frage stellen: "Nichts verpflichtet uns, dass ein Stuhl einem Stuhl ähnelt …" (Absalon).
Über Fachkreise hinaus bekannt wurde Absalon durch seine Werkgruppe der "Cellules", entstanden ab 1992. Die "Zellen" ähneln architektonischen Modellen bzw. Prototypen für Wohneinheiten, die auf den Grundformen Kreis, Quadrat und Rechteck basieren, zwischen vier und acht Quadratmetern groß sind und auf kleinstem Raum alles Lebens- und Wohnnotwendige enthalten: Küche, Bad, Schlafgelegenheit, spartanisches Mobiliar, gefertigt aus Holz und Gipskarton, alles strahlend weiß gestrichen. Die Formensprache erinnert an die architektonische Moderne, das Bauhaus, de Stijl oder die Architekturen von Le Corbusier. Ihre Konzentration auf das Allernotwendigste, die asketische Gestaltung und funktionale Auslegung mit den glatten Oberflächen und weißen Wänden bieten den "Bewohnern" jedoch keinerlei Ablenkung oder Zerstreuung, sondern zwingen zu einer gesteigerten Selbst-Wahrnehmung. Absalon bezeichnete seine Zellen daher auch als "Spiegel meines Inneren" und als mentale Räume. Er plante, die sechs fertiggestellten Miniaturwohnungen in sechs Städten der Welt aufstellen zu lassen.
Obwohl die Werke Absalons nicht als Entwurf einer sozialen Utopie gedacht waren, überraschen sie heute durch ihre vorausschauende Qualität, kann man sie doch als zeitkritischen künstlerischen Kommentar zur globalen Mobilität und dem Verhältnis von Intimität, Öffentlichkeit und Identität begreifen.

Kuratorin: Susanne Pfeffer
Künstler: Absalon (IL)

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