Das MoMA in New York, die Tate Gallery in London und das Museum Ludwig in Köln kooperierten zusammen, um ein spektakuläres Ausstellungsprojekt zu realisieren: die erste umfassende, ca. 300 Werke zählende Retrospektive von Sigmar Polke (1941 – 2010), einem der international renommiertesten und einflussreichsten Künstler der Nachkriegsgeneration. Die Kulturstiftung des Bundes und die Kulturstiftung der Länder förderten die Kölner Station (Museum Ludwig, 14. März – 5. Juli 2015), die von Philipp Kaiser und Barbara Engelbach kuratiert wurde. Aus Sigmar Polke wurde schon zu Lebzeiten ein Künstler mit Weltruf. 50 Jahre seines Lebens verbrachte er im Rheinland, von wo aus er besonders die damals sehr vitale, international orientierte rheinische Kunstszene entscheidend beeinflusste und nicht selten auch die kunstaffine Öffentlichkeit provozierte. Wie kaum ein anderer hat Polke das Zeitgeschehen der alten Bundesrepublik beobachtet und die Geschichte Deutschlands reflektiert. Die Ausstellung stellte Polkes enorme Skepsis gegenüber allen gesellschaftlichen, politischen und künstlerischen Traditionen in den Kontext der deutschen Geschichte und der Transformation des Landes in der Nachkriegszeit. Von daher ist es sehr zu begrüßen, dass Polkes Werk auch in Deutschland in diesem Umfang gezeigt wurde.

Polke wurde nicht nur als Maler, als der er hauptsächlich internationale Berühmtheit erlangte, präsentiert; stattdessen kamen seine Arbeiten in ihrer großen medialen Vielfalt zur Darstellung: Fotografien, Filme, Installationen, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen, Editionen; darunter etliche Arbeiten, die vorher nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt hatten. Besonders seine Werke aus den 1970er Jahren wurden bisher vernachlässigt und sind noch wenig rezipiert worden.

Die Ausstellung im Museum Ludwig Köln richtete einen ihrer Schwerpunkte deshalb auf Arbeiten aus diesen Jahren, nicht zuletzt, um Früh- und Spätwerk in ein neues Verhältnis setzen zu können. Überhaupt setzte das Museum Ludwig über die in New York, London und Köln gemeinsam gezeigte Werkgruppe hinaus durch die Einbeziehung seiner Sammlung und durch Leihgaben aus Hamburg und Köln eigene Akzente. Dazu gehörte vor allem auch das filmische Schaffen Sigmar Polkes, darunter etliche Filme, die Polke überhaupt erst ein Jahr vor seinem Tod in der Hamburger Kunsthalle zeigen ließ. Seit Mitte der 1960er Jahre bis zu seinem Tod war die Filmkamera ein integraler Bestandteil seiner künstlerischen Praxis geworden. Die Filme nehmen künstlerische Lösungen in anderen Medien vorweg und inspirierten sie. Fotografische, druckgrafische sowie malerische Verfahren werden filmisch adaptiert und im neuen Medium getestet. Der Film ist für Polke das adäquate Medium für die dichotomische Struktur seines Werkes zwischen Gesellschaftsbezug und Bildautonomie.

Die Ausstellung „Alibis: Sigmar Polke – Retrospektive“ im Ludwig Museum Köln gehörte ebenfalls zu den Projekten, die die Kulturstiftung des Bundes und die Kulturstiftung der Länder gemeinsam förderten. Die Kulturstiftung des Bundes stellte dafür 300.000 Euro zur Verfügung, die Kulturstiftung der Länder 100.000 Euro.

Film­trai­ler zur Aus­stel­lung

Kon­takt

Mu­se­um Lud­wig

Hein­rich-Böll-Platz

50667 Köln

www.museum-ludwig.de