Bereits 1883 forderten in der Berliner Stadtbahn die ersten Klebezettel: „Kauf nicht bei Juden!“ Und bis heute verunstalten Aufkleber – etwa mit einer durchgestrichenen Moschee – so manchen öffentlichen Ort. Das Zentrum für Antisemitismusforschung thematisierte mit seiner Ausstellung „Angezettelt“ die Funktionsweise, historische Entwicklung und weltweite Verbreitung eines Mediums, das nie bloß der Unterhaltung, der Marken- oder Produktwerbung diente, sondern immer auch dazu, antisemitische und rassistische Vorurteile zu festigen. Die Schau im Deutschen Historischen Museum zeigte, wie Sticker in verschiedenen politischen Kontexten vom 19. Jahrhundert bis heute genutzt wurden, um Ressentiments zu schüren, und veranschaulicht die visuelle Prägung von Stereotypen und politischer Propaganda.
Um der Breite des Themas gerecht zu werden, bediente sich das Projekt der Unterstützung einer ganzen Reihe internationaler Partner, Sammler und Archive, darunter die Jüdischen Museen Berlin und Frankfurt, ein Stickermuseum in den USA, das Archiv der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem und die Wiener Library London. Die Schau präsentierte anhand des weitgehend unerforschten Mediums aktuelle Positionen und Ergebnisse der Antisemitismus- und Rassismusforschung. Jedoch nicht isoliert, sondern im Kontext der provozierten Reaktionen der angegriffenen Minderheiten. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit internationalem Symposium, Kuratorenführungen und einem Filmprogramm rahmte das Projekt, das in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum entstand.

Künstlerische Leitung: Isabel Enzenbach, Stefanie Schüler-Springorum (Zentrum für Anitsemitismusforschung der TU Berlin)

Kon­takt

Technische Universität Berlin
Zentrum für Antisemitismusforschung

Ernst-Reuter-Platz 7

10587 Berlin

www.tu-berlin.de/fakultaet_i/zentrum_fuer_antisemitismusforschung