Performance-Art galt in den Ländern des ehemaligen Ostblocks als eine besonders subversive westliche Kunstform und stand daher im Fokus der Geheimdienste. Deren Akten sind seit der Öffnung ihrer Archive im Jahr 1990 zugänglich. Sie zeugen davon, wie Künstler überwacht wurden und was die jeweilige Staatsmacht unternahm, um die Kunstszene zu „zersetzen“ und so die Opposition zu schwächen.
Einen Eindruck vom Ausmaß dieser Bestrebungen gibt die Ausstellung „Artists & Agents“. Eingebettet in das mehrjährige Forschungsprojekt „Performance-Art in Eastern Europe: History and Theory (1950 – 1990)“ berücksichtigt sie die Akten aus ungarischen, tschechischen, polnischen, rumänischen und ostdeutschen Geheimdienstarchiven. Diese Dokumente geben weniger Auskunft über die Beobachteten selbst. Vielmehr offenbaren sie die Ängste der Regime und machen Strategien und die Zensurpraxis der Geheimdienste erkennbar, die ganz ähnlich auch heute noch in autoritären Staaten zu beobachten sind. So veranschaulicht das internationale Kuratoren-Team an konkreten Beispielen, wie künstlerische Aktionen durch inszenierte Ereignisse verhindert wurden und Künstlerinnen über vorsätzlich herbeigeführte Delikte systematisch geschädigt werden sollten: In Gabriele Stötzers Fotoaktionen schleuste die Staatssicherheit etwa einen Agenten ein, der als Transvestit die Künstlerin zu pornografischen Szenen animieren sollte. Diese Aufnahmen wären strafrechtlich verfolgbar gewesen.
Die Ausstellung macht zudem die Serialität, die immer wiederkehrenden Formate und Formulierungen in den Akten sichtbar: Akribisch geführte Listen zu den Vorlieben, Aktivitäten und dem Kleidungsstil potentiell gefährlicher Künstler oder Fotoserien, mit denen Inoffizielle Mitarbeiter Galeriebesucher erfassen, lassen eine eigene Archivästhetik erkennen. Demgegenüber stehen Werke von Künstlern wie dem Rumänen Ion Grigorescu, der sich die Techniken der Geheimdienste aneignete und die Agenten heimlich bei ihrer Arbeit dokumentierte, oder von Künstlern wie Cornelia Schleime und Daniel Knorr, die nach 1990 die Archive als Materialfundus nutzten.

Kurator/innen: Inke Arns, Kata Krasznahorkai (HU), Sylvia Sasse (CH)
Künstler/innen: György Galantai / Artpool (HU), Laszlo Beke (HU), Ion Grigorescu (RO), Orange Alternative (PL), Gabriele Stötzer u.a.

  • Termine

    26.10.2019 –
    23.02.2020

    Ausstellung

    Hartware MedienKunstVerein | Dortmund

Kon­takt

HMKV (Hartware MedienKunstVerein) im Dortmunder U

Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund

www.hmkv.de