Unsere Gegenwart ist durch Widersprüche geprägt: Grenzen werden überwunden oder niedergerissen und woanders werden welche neu hochgezogen. Nationalstaaten verlieren zugunsten supranationaler Organisationen an Bedeutung und gleichzeitig erstarken Nationalismen. Die transdisziplinäre Ausstellung widmet sich diesen gegenläufigen Entwicklungen. Anhand der Konzepte Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsgewalt thematisiert sie die aktuelle und zukünftige Bedeutung des Staates. Internationale künstlerische Positionen reflektieren Realitäten und Fantasien zwischen Dystopie und Utopie, von rechtslibertären Ideologien oder Verschwörungstheoretikern, die den demokratisch verfassten Staat bekämpfen, über Whistleblower, die staatliche Ordnungen hinterfragen oder Menschenrechtsverletzungen anprangern, bis hin zur Idee einer flexiblen Staatsbürgerschaft, die sich an Abo- oder Streaming-Portalen orientiert. Die Mixed-Media-Installation prepared von Vera Drebusch und Florian Egermann gibt beispielsweise einen Einblick in die Prepper-Szene, die sich unter anderem auch auf den Zusammenbruch von Staaten vorbereiten. Das Kollektiv Forensic Oceanography aus Italien beschäftigt sich ebenfalls in einer Videoinstallation mit der militarisierten Grenzregion im Mittelmeer. Mithilfe verschiedenster Geodaten werden Menschenrechtsverletzungen in der Grenzregion aufgearbeitet. Die aus der Türkei stammende Künstlerin Nevin Aladağ hat an der tiefsten Stelle des Bodensees Wasserproben entnommen und reflektiert in dem dabei entstandenen Video Fragen der Staatssouveränität anhand des Paradoxes, dass ein fluides Element wie Wasser als Grenzmarkierung fungieren soll. Das Thema ist für das Zeppelin Museum in Friedrichshafen am Bodensee von besonderer Relevanz, als die Luftfahrt in ihren Anfängen eine Erfahrung von Grenzenlosigkeit versprach und eine immer wieder umkämpfte territoriale Grenzüberschreitung praktizierte. Die Überquerung der Grenze zur nahen Schweiz war überdies für als entartet diffamierte Künstlerinnen und Künstler eine Möglichkeit, sich vor der direkten Verfolgung durch das deutsche NS-Regime zu retten. Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Vermittlungsprogramm mit Workshops, Screenings, einem Floating Campus und einer Tagung begleitet.

Künstlerische Leitung: Claudia Emmert
Kuratorinnen: Jürgen Bleibler, Ina Neddermeyer
Künstlerinnen: Nevin Aladağ, Simon Denny, Vera Drebusch & Florian Egermann, Forensic Oceanography, Jacob Hurwitz-Goodman & Daniel Keller, Christopher Kulendran Thomas, Henrike Naumann, Jonas Staal u.a.

  • Termine

    29.05. –
    01.11.2020

    Ausstellung

    Zeppelin Museum | Friedrichshafen

Kon­takt

Zeppelin Museum

Seestraße 22
88045 Friedrichshafen

www.zeppelin-museum.de