Wachsende Ungleichheit, Migrationskrise, geopolitische Konflikte sowie eine Erstarkung von Populismus und Nationalismus – die Weltlage ist von Entwicklungen bestimmt, die eng mit den eklatanten ökologischen Transformationen des Geosystems zusammenhängen. Unsere Sicht auf die Welt als „Blauer Planet“ sei keine angemessene Position für die Herausforderungen, die uns auf der Erde begegnen, so der Philosoph und Soziologe Bruno Latour. Eine alternative Haltung entwickelt Latour ausgehend vom Terminus „Critical Zones“, der in Geochemie, Biologie und Ökologie die dünne Oberfläche der Erde bezeichnet, in der lebende Organismen, Erdboden und Wasser aufeinander einwirken. Latour prägte für die grundlegenden Veränderungen in der Beziehung des Menschen zu seinen Lebensbedingungen den Begriff „Neues Klimaregime“.

Auf ca. 4.000 qm setzt sich die Ausstellung „Critical Zones“ mit dem Zusammenwirken von Kunstgeschichte, Wissenschaft und Politik der Natur in der westlichen Welt seit dem 16. Jh. auseinander und schlägt eine Brücke zwischen dem Zeitalter der großen Entdeckungen der Moderne und dem Neuen Klimaregime. Ausgangspunkt ist die These, dass die aktuellen Umwälzungen, die sich mit dem Begriff Klima zusammenfassen lassen, mit den historischen Umbrüchen des 16. Jh. und den auf sie aufbauenden neuen Weltbildern der Moderne vergleichbar sind. Die Kunst mit ihrer imaginativen, ästhetischen Kraft nimmt eine zentrale Rolle ein, um neue Repräsentationen und Handlungsoptionen für eine noch unklare Situation zu entwickeln.

Als „Gedankenausstellung“ nähert sich die Ausstellung in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen, Wissenschaftlern und Aktivistinnen diesem noch ungekannten „Terroir“ (Latour). Ein internationales Netz renommierter Institutionen (u.a. Institut national des sciences de l’univers, Harvard University, Helmholtz Zentrum Potsdam) und Experten wirkt an ihrer Entwicklung mit. Zudem basiert das Projekt auf einem 2-jährigen Workshop an der HfG Karlsruhe, in dem Studentinnen und Wissenschaftler mit Latour an den theoretischen Grundlagen von „Critical Zones“ arbeiten.

Neuproduktionen und der Einbezug von künstlerischen Positionen aus Ländern wie Iran, Nigeria, China ermöglichen es, einen westlich geprägten Diskurs – etwa zu den Themen Migration, Ökonomie oder einer terrestrischen Weltinnenpolitik – kritisch neu zu denken.

Künstlerische Leitung: Bruno Latour (FR)
Künstler/innen und Wissenschaftler/innen: Dipesh Chakrabarty (IN), Julian Charrière (CH), Joana Hadjithomas und Khalil Jorgeige (LB), Joseph Leo Koerner (US), Agnieszka Kurant (PL), Armin Linke (IT), Bibi Manavi (IR), Emeka Ogboh (NG), Sarah Sze (US), SOC – Société d’Objets Cartographiques (FR), Zhao Liang (CN)

  • Termine

    21.03. –
    09.08.2020

    Ausstellung

    ZKM Zentrum für Kunst und Medien | Karlsruhe

Kon­takt

ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

Lorenzstraße 19
76135 Karlsruhe

www.zkm.de