In den späten 1950er Jahren befand sich Brasilien in einem beispiellosen kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufbruch. Brasília, die neue Hauptstadt, wurde am Reißbrett entworfen und innerhalb weniger Jahre errichtet. Der Bossa Nova revolutionierte die Musikszene und die bildende Kunst artikulierte im Neoconcretismo eine neue künstlerische Grundhaltung: Geometrische Strenge verbunden mit einer Lust am Spiel bestimmte die neuen Formen in Architektur und Kunst.
Die Ausstellung in der Akademie der Künste widmete sich nicht nur den Ikonen der brasilianischen Architektur jener Epoche, Lúcio Costa und Oscar Niemeyer - Architekten, die maßgeblich die Gestalt der Stadt Brasília bestimmten -, sondern zeigte die wechselseitigen Verflechtungen der Architektur mit den Kunst- und Kulturszenen. Erkennbar wurde die damalige kulturelle Pionierrolle Brasiliens, das nicht die "westliche" Moderne imitierte, sondern eine eigenständige brasilianische Moderne schuf, für deren Durchbruch der ökonomisch unterstützte Aufbruchsgeist ein günstiges Klima schuf. Das Brasilien der 1950er Jahre wurde so als Beispiel für die Chancen globaler Verflechtungen von gesellschaftlicher, künstlerischer und wirtschaftlicher Entwicklung vorgestellt, das als Matrix gegenwärtiger Entwicklungen in Indien oder China fungieren kann.
Ergänzend fanden Interventionen zeitgenössischer Künstler/innen aus Brasilien, neuere Interpretationen des Bossa Nova sowie Filmvorführungen und Darbietungen konkreter Poesie statt. In diesem Rahmen wurde ein Bogen vom Neoconcretismo zur Gegenwartskunst geschlagen.

Künstlerische Leitung: Luis Camillo Osorio (BR)
Kurator: Robert Kudielka
Künstler/innen: Hércules Barsotti, Carlos Bevilacqua, Roberto Burle Marx, Waltercio Caldas, Aluísio Carvão, Amilcar de Castro,Willys de Castro, Lygia Clark, Lúcio Costa, Milton Dacosta, Iole de Freitas, Marcel Gautherot, Carla Guagliardi, Cao Guimarães, Ferreira Gullar, Pablo Lobato, Rubem Ludolf, Almir Mavignier, Oscar Niemeyer, Hélio Oiticica, Abraham Palatnik, Lygia Pape, Ivan Serpa, Décio Vieira, Franz Weissmann.

Kon­takt

Akademie der Künste

Pariser Platz 4

10117 Berlin

www.adk.de/brasilien