Der Potlatch ist ein rituelles Fest indianischer Gesellschaften im nordwestlichen Amerika, bei dem zu besonderen Anlässen üppige, den Schenkenden fast ruinierende Geschenke gemacht werden. Dem Potlatch kommt große soziale Bedeutung zu, begleitet er doch häufig wichtige gesellschaftliche Ereignisse wie die Weitergabe von Häuptlingsnamen, Titeln und Privilegien. Den Kwakwaka’wakw („Kwakiutl“), einem Kreis von indianischen Stämmen bzw. First Nations im heutigen British Columbia, wurde um 1920 auf Betreiben der kanadischen Regierung und kirchlicher Kreise jegliche Fortführung dieser traditionellen Geschenkzeremonien untersagt. 
Die Geschenke des bis dato letzten großen Potlatch in Alert Bay (British Columbia) des Dezembers 1921 wurden konfisziert und an große Museen in Kanada, zum Teil auch an Privatsammler verteilt. Darunter befanden sich 300 Jahre alte Masken, zeremonielle Instrumente und sogenannte Coppers (Kupferplatten). Mit der Rückführung der Sammlung in ein eigens dafür geschaffenes Museum in Alert Bay (Eröffnung 1980) und der Eröffnung des U’mista Cultural Center wurden Versuche unternommen, diese Unterdrückungs- und Diskriminierungsmaßnahmen aufzuarbeiten und zum Teil wiedergutzumachen.

Das U’mista Cultural Center und die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES) widmeten sich mit dem Ausstellungsprojekt der Geschichte des Potlatch der Kwakwaka’wakw. Ein umfangreicher Austausch der Sammlungsbestände lieferte die Grundlage für die gemeinsam kuratierten und an beiden Orten zeitgleich präsentierten Ausstellungen. 
Durch die Gegenüberstellung des rituell reglementierten und auf kleine Kulturgemeinschaften ausgerichteten Potlatch-Systems und den europäischen Geschenkkulturen fragte die Ausstellung nach einer globalen, kulturübergreifenden Geschenk- und Prestigekultur und ihren gesellschaftlichen Zielen. Thematisiert wurde außerdem die Relevanz einer Unterscheidung in indigene und klassische Sammlungen und die nach wie vor gängige Kategorisierung in „Hoch-“ und „Primitivkultur“.
Ein dreisprachiger Katalog (deutsch, englisch, kwakala), Workshops und Konferenzen ergänzten die Ausstellung.

Künstlerische Leitung: Andrea Sanborn (CA), Claus Deimel 
Kuratoren: Chief Bill Cranmer (CA), William Wasden jr. (CA), Claus Deimel

Kon­takt

Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen 
c/o Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig

Johannisplatz 5-11
04103 Leipzig
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