Wie sich der fotografische Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der DDR - jenseits der offiziellen propagandistischen Bildwelt - gestaltete, zeigen die Arbeiten ehemaliger Lehrender und Studierender der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Die einzige Ausbildungsstätte für Diplomfotografie in der DDR knüpfte an die sozialdokumentarische Tradition des 19. und 20. Jahrhunderts an und widmete sich speziell Fotografien der Arbeitswelt und des Alltags.
Fotografen wie Arno Fischer, Evelyn Richter, Wolfgang G. Schröter oder Helfried Strauß begründeten mit ihren veristischen und häufig melancholischen Bildern eine eigene Leipziger Schule - neben der bekannten Leipziger Schule der Malerei - , die mit einer sehr subjektiven Formensprache ein anderes Bild des realen Sozialismus zeichnete, als es das offizielle Selbstbild vorsah. An den fotografischen Arbeiten lässt sich ex negativo ablesen, wie wenig der von der SED propagierte sozialistische Realismus die realen Verhältnissen abzubilden vermochte.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt lieferte einen wichtigen fotokünstlerischen Beitrag zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte der DDR und füllte darüber hinaus kurz vor Ende des Gedenkjahres 2009 auch eine der verbliebenen Lücken in der Aufarbeitung kritischer kunstgeschichtlicher Positionen des "anderen Deutschlands".

Kurator: Kai Uwe Schierz
Künstler/innen: Arno Fischer, Evelyn Richter, Wolfgang G. Schröter, Helfried Strauß, Tina Bara, Klaus Elle, Matthias Hoch, Ute Mahler, Werner Mahler, Jens Rötzsch, Erasmus Schröter, Gundula Schulze el Dowy, Thomas Steinert u.a.

Kon­takt

Kunsthalle Erfurt

Fischmarkt 7

99084 Erfurt

www.kunsthalle-erfurt.de