Wie funktionieren Prozesse der Profanierung? Was passiert, wenn sie bewusst gestaltet werden? Profan werden Dinge, wenn sie ihrem religiösen Kontext entrissen und auf eine Weise gebraucht werden, die ihre Heiligkeit ignoriert oder konterkariert und insofern „unangemessen“ erscheint. Akte der Profanierung zielen auf die Überwindung festgeschriebener, scheinbar sakrosankter Ordnungen, Kategorien und Werte. Im Zentrum des Projektes, das mit einem sehr weiten Religionsbegriff arbeitete, standen dementsprechend künstlerische Werke und performative Praktiken internationaler Künstler/innen, die festgeschriebene normative Ordnungen wie Sex und Geschlecht, Ethnie und Klasse in Frage stellen und sie bewusst einem „unangemessenen“ Gebrauch zuführen. Eine weitere Gruppe von Arbeiten beschäftigte sich mit „queeren“, nicht normkonformen Praktiken der Aneignung von Religion und religiösen Ikonografien – nicht als blasphemische Geste, sondern im Sinne eines Auslotens eines profanen, eigensinnigen Umgangs mit dem Sakralen. Andere Künstler/innen kreisten in ihren Arbeiten um die Beziehung von Religion und Ökonomie, von Heiligem und Geld. Außerdem wurden die Institutionen des Wissens und der Biopolitiken samt ihren sakralen Räumen, Anordnungen und Inszenierungen in den Blick genommen. Für die Ausstellungsräume im Württembergischen Kunstverein und im Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) wurde eigens für diese Ausstellung eine Gestaltung entwickelt, die für eine „Profanierung“ des White Cube sorgte.

Künstlerische Leitung: Iris Dressler
Kurator/innen: Hans D. Christ, Valentin Roma (ES), Beatriz Preciado (ES)
Künstler/innen: Edgar Endress (CL), Oier Etxeberria (ES), Leon Ferrari (AR), Geumhyung Jeong (KR), Julia Montilla (ES), Ocaña (ES), Genesis Breyer P-Orridge (GB), Wu Tsang (US), Sergio Zevallos (PE) u.a.

Filmstill des Trailers zur Ausstellung "Die Bestie und der Souverän"

Kon­takt

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70173 Stuttgart

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