Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 wird der globale Markt für sogenannte präzisionsgelenkte Munition, oft umstritten auch als „intelligente Waffen“ bezeichnet, bis 2018 um etwa 50 Prozent wachsen. „Fire and Forget“ bezeichnet dabei im Militärjargon die Fähigkeit dieser Lenkwaffen, ihr Ziel ohne menschliches Zutun selbstständig anvisieren und treffen zu können. Das KW Institute for Contemporary Art in Berlin setzte sich mit den Implikationen und Auswirkungen dieser Rüstungstechnologie auseinander. In Kooperation mit dem Israeli Center for Digital Art in Holon und dem Museum for Contemporary Art in Bat Yam wurde eine von Ellen Blumenstein und Daniel Tyradellis kuratierte Schau sowie ein Rahmenprogramm mit Gesprächsrunden und Führungen durchgeführt. Im Fokus standen dabei Veränderungen der individuellen und kollektiven Psyche, wenn menschliche Körper größtenteils durch Technik ersetzt werden. Zudem verschieben die Lenkwaffen als Distanzinstrumentarien die Gewaltausübung in das Virtuelle, Unsichtbare – das Empfinden von Empathie und menschlicher Nähe sowie das Zögern und die Suche nach nicht-tödlichen Alternativen werden ausgesetzt. Das Verhältnis von Macht, Körper und Gewalt hat sich dadurch grundsätzlich geändert – mit der Verlängerung militärischer Innovationen in unseren Alltag hinein auch weit über das Militärische hinaus. Begleitend zu den künstlerischen Positionen wurde die Auseinandersetzung durch Fotografien aus der Sammlung Martin Dammann/Archive of Modern Conflict in London um die historisch-dokumentarische Perspektive erweitert. Die Ausstellung 2015 in Berlin bot einen Ort zur Erfassung jener Wirkungskonstellation sowie eine Bühne für die öffentliche Debatte zum grundsätzlichen Verhältnis des Menschen zu Krieg und Gewalt. Die begleitende Publikation „Friendly Fire and Forget“ erschien im Matthes & Seitz Verlag Berlin und bildet eine Sammlung literarischer Texte internationaler Autoren, die anlässlich der Ausstellung entstanden sind.

Künstlerische Leitung: Ellen Blumenstein, Daniel Tyradellis

Künstler/innen: Marina Abramović und Ulay, Ron Amir, Julius von Bismarck, Roy Brand, Ori Scialom, Keren Yaela Golan, Edith Kofsky, James Bridle, Luis Camnitzer, Mircea Cantor, Marcelo Cidade, Jem Cohen, Martin Dammann, Öyvind Fahlström, Harun Farocki, Omer Fast, Daniil Galkin, Rudolf Herz, Damien Hirst, Clara Ianni, Emily Jacir, Hunter Jonakin, Joachim Koester, Korpys/Löffler, Barbara Kruger, Armin Linke, Robert Longo, Jazmín López, Kris Martin, Michael Müller, Timo Nasseri, NEOZOON, Katja Novitskova, Pipilotti Rist, Robbert & Frank, Frank & Robbert, André Robillard, Julian Röder, Henning Rogge, Martha Rosler, Hrair Sarkissian, Santiago Sierra, Timur Si-Qin, Tal R, Javier Téllez, Sharif Waked, Gillian Wearing, He Xiangyu, Amir Yatziv, Ala Younis.

Kon­takt

KW Institute for Contemporary Art -
Kunst-Werke Berlin e. V.

Auguststraße 69

10117 Berlin

www.kw-berlin.de