German Colonial Genocide in Namibia

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Projektbescheibung

Der Kolonialkrieg zwischen Truppen des Deutschen Kaiserreichs und den Völkern der Ovaherero, Ovambanderu und Nama auf dem Gebiet des heutigen Namibia mündete von 1904 bis 1908 in einen Völkermord, dem laut Schätzungen bis zu 100.000 Menschen zum Opfer fielen. Die Bundesregierung drückte inzwischen zwar ihr Bedauern aus und erkannte den Völkermord an, wies jedoch Ansprüche auf Entschädigungszahlungen zurück. Mit der namibischen Regierung wurde stattdessen eine Vereinbarung über Entwicklungshilfe getroffen. Die betroffenen Gemeinschaften waren nicht direkt an den Verhandlungen beteiligt und kritisieren das Ergebnis.

Im Forschungsprojekt „German Colonial Genocide in Namibia“ untersucht die Künstlergruppe Forensis gemeinsam mit ihrer Schwesteragentur Forensic Architecture, dem European Center for Constitutional and Human Rights, dem Juristen John Nakuta der Universität Namibia und Kambanda Veii, Gründungsmitglied der Ovaherero Genocide Foundation, die bis heute andauernde Unrechtserfahrung der lokalen Bevölkerung im Zusammenhang mit deutschen Kolonialverbrechen. Während die Nachkommen der europäischen Kolonisten einen Großteil des nutzbaren Landes besitzen, herrscht unter den Nachfahren der enteigneten und zur Zwangsarbeit verpflichteten Kolonisierten generationsübergreifende Armut.

Im Forschungsprojekt werden modernste Digital-Techniken genutzt, um die Verbrechen vor Ort zu rekonstruieren: mithilfe von 3D-Landschafts- und Architekturmodellen werden u. a. Gehöfte und Grabstätten auf Spuren untersucht. Die von den Deutschen in Südwestafrika errichteten Konzentrationslager werden lokalisiert und die Umweltzerstörung als Folge der kolonialen Landnutzung analysiert. Interviews mit betroffenen Communities ergänzen die multidisziplinäre Recherche. Die gesammelten Beweise bilden die Grundlage für eine erneute Forderung nach Landrückgabe und Entschädigung. Zur Vermittlung der Ergebnisse des Forschungsprojekts sind ein Film, eine Online-Kartierungsplattform, öffentliche Programme und Ausstellungen in Deutschland und Namibia sowie Publikationen geplant.
 

Künstlerische Leitung: Eyal Weizman
Forensic Architecture: Imani Jacqueline Brown, Agata Nguyen Chuong
Forensis: Ashkan Cheheltan, Tobechukwu Onwukeme

Internationale Termine:
Feldforschung in Süd-Namibia (Swakopmund, Shark Island), geplant für Sommer 2023 (vorauss. Juli–Oktober)
Präsentation und Ausstellung in Windhoek, geplant für Sommer 2023 (vorauss. Juli–Oktober)

Kontakt

Forensis e.V.

Zossener Straße 55-58
10961 Berlin
e-mail: forensis@counter-investigations.org
www.counter-investigations.org (externer Link, öffnet neues Fenster)