Das Selbstporträt als exklusives Produkt künstlerischer Subjektivität ist heute Geschichte. Durch digitale Medien und mobile Technik ist es alltäglich geworden und jedem zugänglich. Was hat die Kunst den omnipräsenten Selbstdarstellungen also entgegenzusetzen? Und wie reagiert sie auf die Zweifel an der Einheit und Darstellbarkeit des Subjekts, die die Philosophie im 20. Jahrhundert bereits vehement formuliert hat? Die Ausstellung „ICH“ zeigte Werke internationaler Künstler/innen, die exemplarisch für die ikonoklastischen Verfahren stehen, die das Genre des Selbstporträts in der zeitgenössischen Kunst durchläuft. Von konzeptionellen Arbeiten bis zur Fotografie verweigern die ausgestellten Werke ein repräsentatives Abbild. Die Künstler/innen versuchen dem Betrachter zu entgehen und letztlich zu entkommen: Günther Förg präsentierte sich kopflos eine Treppe hinabschreitend, Wolfgang Tillmans zeigte uns nur sein Knie, Pawel Althamer seine Kleider, Michael Sailstorfer formte seinen Namen in großen Lettern, Sarah Lucas trat dem Betrachter beinahe ins Gesicht, während wir Florian Meisenberg in einem Livestream von seinem Smartphone verfolgen konnten. Auch in der zeitgenössischen Kunst bleibt die künstlerische Subjektivität ein Leitmotiv, die jedoch nicht mehr ausschließlich mit dem Abbild des Künstlers verbunden ist.

Künstlerische Leitung: Martina Weinhart
Künstler/innen: Pawel Althamer (PL), Joseph Beuys, John Bock, Abraham Cruzvillegas (MX), Alicja Kwade (PL), Sarah Lucas (UK), Jack Pierson (US), Dieter Roth (CH), Wolfgang Tillmans, Rosemarie Trockel u. a.

Kon­takt

Schirn Kunsthalle

Römer­berg

60311 Frank­furt am Main

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