Die Idee einer idealen Stadt als Element gesellschaftlicher Utopien reicht bis in die frühe Moderne zurück. Im 20. Jahrhundert ist sie durch die totalitären oder autoritären Züge solcher Konzepte diskreditiert worden. Angesichts der Diskussionen zur Entwicklung urbaner Räume greift das Ausstellungsprojekt das Thema Idealstadt wieder auf. Internationale Künstler setzen sich mit der historischen Planung und dem aktuellen Stadtbild zweier am Reißbrett geplanter Städte auseinander: mit Potsdam in Deutschland und mit Zamosc in Polen.

Aus der Pressemitteilung des Projektes:
41 internationale Künstler reflektieren ab dem 18. Juni die Idee der idealen Stadt und ihr Pendant, die unsichtbare Stadt. Zamosc, ein außergewöhnliches Kleinod später Renaissance-Architektur, liegt unweit der polnischukrainischen Grenze, zwischen Lublin und Lwow (Lemberg). In dieser seit ihrer Gründung Ende des 16. Jahrhunderts nie zerstörten Stadtanlage werden Arbeiten von Künstlern aus zwölf europäischen und sechs nicht-europäischen Ländern auf den Spuren einer einstigen multikulturellen Gesellschaft gezeigt, mit ihren orthodoxen Kirchen, der Kathedrale, der Synagoge und den Armenierhäusern am großen Markt. Nur wenige ideale Städte wurden je realisiert oder nur in Teilen gebaut. Besonders die Entwürfe, die eng an gesellschaftliche Utopien gebunden waren, blieben für gewöhnlich ungebaut. Zamosc - nach einer Idee des Kanzlers Jan Zamoyski entworfen und zwischen 1580 und 1605 vom italienischen Baumeister Bernardo Morando gebaut - ist eines der seltenen Beispiele einer tatsächlich gebauten idealen Stadt. Seit 1992 gehört Zamosc zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Künstler mit ortsspezifischen Arbeiten reagieren auf die bestehende Architektur öffentlicher Plätze, Gebäude und versteckter Innenhöfe. Lawrence Weiner (USA) umfasst die Arkaden des großen Marktplatzes mit einer seiner Wortskulpturen. Monika Sosnowska baut einen Brunnen während Miroslaw Balka an tiefe Wunden erinnert, die der Zweite Weltkrieg gerissen hat. Daniela Brahm, Colin Ardley und Kai Schiemenz definieren Plätze und öffentliche Orte neu. Franka Hörnschemeyers Installation dagegen nimmt Bezug auf das klare Raster der Stadt. Jakob Kolding untersucht mit seinem Posterprojekt den funktionalen Aspekt der Städteplanung und Les Schliesser richtet ein Museum für einen in Zamosc geborenen fiktiven Architekten ein. Mit eigens entworfenen Architekturen werden Lucas Lenglet mit seinem Columbarium, einem Taubenhaus, in einem der Innenhöfe und Colin Ardley mit einer Pyramide am großen Markt Akzente setzen. Craigie Horsfield, der schon in den 70er Jahren Zamosc fotografierte, wird mit einer Soundinstallation präsent sein. Vor der Synagoge findet Sol LeWitt den Ort für seine Plastik, die Kartuschen im Innenraum sind mit Wandzeichnungen von David Tremlett ausgefüllt und in den anschließenden Nebenräumen entspinnt sich ein Dialog zwischen den strukturalistischen Arbeiten von Katarzyna Jozefowicz und Pedro Cabrita Reis. Im historischen Museum wird Tilman Wendland mit Dokumentationen idealer Städte der Moderne von Le Corbusier, Oscar Niemeyer oder Hansen arbeiten. Jaroslaw Flicinski wird mit einer großformatigen Wandzeichnung die ehemalige Akademie - heute das Gymnasium der Stadt - zum Schwingen bringen. In deren Turnhalle der Grieche George Hadjimichalis seinen Workshop of Projects and Images in Crisis installiert.


Künstlerische Leitung: Sabrina van der Ley, Markus Richter
Beteiligte Künstler/innen: Miroslaw Balka (PL), Pedro Cabrita Reis Balka(P), Le Corbusier (CH), Tacita Dean (GB), Jaroslaw Fliciñski (PL), Rula Halawani (IL), Matthias Müller, Daniel Roth, Melanie Smith (GB/MEX), Lawrence Welner (USA) u.a.

Veranstaltungsort und -zeitraum:
Potsdam, 8. September - Mitte Oktober 2006
Zamosc, 16. Juni - Ende August 2006

Kon­takt

European Art Projects GmbH

Messedamm 27

14055 Berlin