Der Brasilianer Leonilson (1957-1993) zählt mit seinem vielschichtigen Werk zu den wichtigsten lateinamerikanischen Künstlern seiner Zeit: Er war einer der zentralen Akteure der Künstlergruppe Geração 80, die mit ihrer sozialkritischen, an lokale Traditionen und Formen anknüpfenden Kunst wesentlich dazu beitrugen, dass sich Brasilien nach der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 wieder als internationales Kunstzentrum positionieren konnte. Die umfangreiche Einzelausstellung gibt erstmals in Europa einen Überblick über das Schaffen von Leonilson. In seinen frühen Arbeiten verwob er allegorische Darstellungen mit Text und einer psychologisierenden Bildsprache zu einem eklektizistischen Subjektivismus. Inspiriert von den Stickereien der Shakers, einer amerikanisch-christlichen Sekte, wechselte er ab Ende der 1980er Jahre von der Malerei zur Arbeit mit Stoff. Es entstanden Werke, in denen er den Körper auch sinnbildlich für die sich im Wandel befindende Gesellschaft darstellt. Mit der Diagnose, dass er an HIV erkrankt ist, änderte sich seine künstlerische Bildsprache erkennbar: Seine Auseinandersetzung mit dem Tod sowie sein immer schlechter werdender körperlicher Zustand prägen die tagebuchartigen Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 1993. Die Bildmotive seiner Stickereien reduzierte er auf wenige abstrakte Formen und Textelemente. Das umfassende Begleitprogramm wird zeigen, dass Leonilsons Auseinandersetzung mit identitätspolitischen Fragen sowie dem Verhältnis von Körper und Politik gerade für junge Künstler höchst aktuell ist: In verschiedenen Performances werden Künstlerinnen sich mit dem versehrten, kranken oder marginalisierten Körper und seiner aktuellen Wahrnehmung beschäftigen.

Künstlerische Leitung: Krist Gruijthuijsen
Künstler: Leonilson

  • Termine

    28.11.2020 –
    14.02.2021

    Ausstellung

    KW Institute for Contemporary Art | Berlin

Kon­takt

KUNST-WERKE BERLIN

KW Institute for Contemporary Art
Auguststraße 69
10117 Berlin

www.kw-berlin.de