Mit dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 verschärfte das NS-Regime auch die Verfolgung der organisierten polnischen Minderheit in Deutschland. Als Staatsfeinde und potentielle Freischärler gebrandmarkt gehörten die Funktionäre und Aktivisten polnischer Organisationen wie dem "Bund der Polen" im Deutschen Reich zu den ersten Opfern im Zuge des Kriegsausbruchs. Alle polnischen Organisationen wurden verboten und enteignet. Bis zu 2.000 Aktivisten wurden von der Gestapo verhaftet und in Konzentrationslager deportiert, überwiegend nach Sachsenhausen und Ravensbrück, etliche auch nach Buchenwald.
Anlässlich des 70. Jahrestages des Überfalls auf Polen und des Beginns des 2. Weltkriegs erinnerte diese zweisprachige Ausstellung mit Fotografien, Dokumenten und Erinnerungsstücken an das Schicksal dieser Inhaftierten. Nach ihrer Eröffnung in der Gedenkstätte Sachsenhausen wanderte die Ausstellung, die in Kooperation von deutschen und polnischen Wissenschaftlern konzipiert wurde, durch mehrere polnische und deutsche Städte.
Das Leid der polnischen Minderheit im Deutschen Reich ist bis heute in Deutschland, aber auch in Polen kaum bekannt. Erkenntnisse über die Verfolgung der polnischen Minderheitenfunktionäre gehören noch zu den Desideraten der historischen Forschung über die Konzentrationslager. Insofern hat die Ausstellung Neuland betreten und konnte einen Anstoß zu weitergehenden deutsch-polnischen Forschungsarbeiten liefern, darüber hinaus aber auch für die Geschichte der Polen in Deutschland ein neues Bewusstsein schaffen.

Kurator: Sebastian Nagel

Kon­takt

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