Der einzigartige Fotozyklus des Lubliner Fotografen Stefan Kielsznia (1911-1987) bildet das Leben im jüdischen Viertel von Lublin kurz vor der deutschen Besatzung und Zerstörung ab. 1938 von der Lubliner Stadtverwaltung beauftragt, fertigte Kielsznia circa 600 Fotografien von einzelnen Häusern und ganzen Straßenzügen des Stadtteils an. Damit entstand ein einmaliges Dokument jüdischen Alltagslebens in Polen während der Vorkriegszeit. Nach aktuellem Kenntnisstand ist noch ungefähr ein Viertel der Aufnahmen in Negativen erhalten. Sie wurden im Rahmen des Projektes systematisch erschlossen und digitalisiert.
Entdeckt wurde der einzigartige Bildfundus von Ulrike Grossarth, Professorin an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, auf einer ihrer vielen Reisen durch Osteuropa. Seit vielen Jahren setzt sich die Künstlerin mit der jüdischen Geschichte auseinander und lässt ihre Erkundungen in eigene künstlerische Arbeiten einfließen. Grossarth macht die Schwarzweiß-Fotografien von Geschäften, Schriftzügen und Werbetafeln aus den 1930er Jahren zum Ausgangsmaterial für Gemälde, in denen die Fotomotive teils abstrahiert, teils farblich rekonstruiert wieder auftauchen. Eine Ausstellung in Dresden und eine Präsentation in Lublin zeigten die historischen Fotografien zusammen mit den neu entstandenen Werken Grossarths. In einer umfangreichen dreisprachigen Publikation (deutsch, englisch, polnisch) wurde der Fotozyklus erstmals veröffentlicht und wissenschaftlich untersucht.

Künstlerische Leitung: Silke Wagler
Kurator/in: Marcin Federowicz (PL), Christiane Mennicke
Künstlerin: Ulrike Grossarth

Kon­takt

Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Kunstfonds

Taschenberg 2

01067 Dresden

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