Kollektive gesellschaftliche Identitäten konstituieren sich oft über Ausgrenzung von nonkonformen Wertvorstellungen. Dabei erweist sich der Aufruf, das Eigene und Althergebrachte zu wahren, immer wieder als wirksam und hat zur Folge, dass Veränderungen oder Abweichungen abgewehrt oder diskriminiert werden. „Travestie für Fortgeschrittene“ hatte sich zum Ziel gesetzt, statische und eindimensionale Gesellschaftsmodelle, engstirnige Denkbilder und Lebensentwürfe zu unterlaufen. Das Projekt nahm Themen wie Migration, Homosexualität und Inklusion ins Visier, die gern von neokonservativen und populistischen Positionen besetzt und vereinnahmt werden.
Im Neubau der GfZK in Leipzig wurde eine theatrale Ausstellung mit einer Drehbühne im Mittelpunkt realisiert, dort fanden Einzelpräsentationen, Tanzaufführungen, Vorträge und Workshops statt. Das Projekt interessierte sich insbesondere für kollektive und persönliche Identitäten, die im Wandel begriffen sind. Gemeinsam mit der Choreografin Heike Hennig wurde eine Ausstellungsdramaturgie entwickelt, die verschiedene Aspekte von Verwandlung szenisch und tänzerisch umsetzte. „Travestie für Fortgeschrittene“ reflektierte auch die Funktionsweise einer Kunstinstitution: Wie können kritische Diskurse und deren künstlerische Reflexionen in die öffentliche Wahrnehmung hineinwirken? In Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Institutionen in Paris, Wien und Moskau sollten viele verschiedene Öffentlichkeiten erreicht werden. Eine Publikation in Form eines Skripts, das jederzeit fortgeschrieben werden kann, begleitete das Projekt.

Künstlerische Leitung: Julia Kurz, Julia Schäfer, Franciska Zolyóm
Assistenz: Katrin Kappenberger
Dramaturgie der Tanz- und Schauspielsequenzen: Heike Hennig
Grafik und Display: Annalena von Helldorff und Toni Schönbuchner, bürototal
Künstler/innen: Fender Schrade, Ann Sofie-Sidén (SE), Katrina Daschner (AT), Katharina Lampert, Nana Hülseweig, Grit Hachmeister, Henrik Olesen (DK), Christine Hill (US) & Sebastian Helm und Studierende, Clemens von Wedemeyer & Studierende, Michaela Schweiger und Studierende, Anna Witt (AT), Heike Hennig & Company, Hoelb/Hoeb (AT) u.a.

 

Weitere Termine:

brut, Wien: März 2015; Laboratoires d’Aubervilliers, Paris: Oktober 2015

Kon­takt

Galerie für Zeitgenössische Kunst

Karl-Tauchnitz-Straße 9-11

04107 Leipzig

www.gfzk.de