Adolf Hitlers 1925/1926 zum ersten Mal veröffentlichte Propagandaschrift „Mein Kampf“ wurde bis 1945 millionenfach vertrieben. Nach 1945 hat der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger Adolf Hitlers eine Publikation auf dem deutschsprachigen Markt verhindert. Doch 2015 lief der Urheberschutz aus, und die Debatte, ob und in welcher Form das Buch veröffentlicht werden sollte, ist längst noch nicht zuende.
Als Auftragsproduktion des Kunstfests Weimar und des Deutschen Nationaltheaters Weimar und in Koproduktion mit zahlreichen deutschsprachigen Bühnen und Festivals hat das Theaterkollektiv Rimini Protokoll (Haug/Wetzel) „Mein Kampf“ auf die Bühne gebracht. Anknüpfend an Helgard Haugs und Daniel Wetzels im Jahr 2006 realisierte Inszenierung von „Das Kapital“ von Karl Marx, entstand eine Theaterproduktion, die „Mein Kampf“ als literarischen Text und historisches Zeugnis in den Mittelpunkt stellte. Trotz seiner Auflagenhöhe gilt „Mein Kampf“ als eines der am wenigsten gelesenen Bücher. Wenn es jedoch nicht gelesen wurde, welchen Zweck erfüllte es dann? Und wer würde das Buch heute kaufen, wer es lesen? Haug und Wetzel wollten untersuchen, worauf der Mythos des Buches gründet und welche Anknüpfungspunkte für die gegenwärtig erstarkenden nationalistischen Bewegungen in Ost und West das Buch bietet. Recherche und Proben wurden von Mitarbeitern der Stiftung Buchenwald und bekannten Historikern begleitet. Wie auch in anderen Produktionen von Rimini Protokoll wurden in einem groß angelegten, internationalen Castingprozess die Experten des Alltags bestimmt, die auf der Bühne ihre persönliche Perspektive auf das Buch formulierten. Die Uraufführung fand 2015 auf dem Kunstfest Weimar statt, es gab zahlreiche nationale und internationale Gastspiele. 

Künstlerische Leitung: Rimini Protokoll (Haug & Wetzel)
Regie: Helgard Haug, Daniel Wetzel
Ausstattung: Marc Jungreithmeier
Dramaturgie: Sebastian Brünger

Kon­takt

Kunstfest Weimar

Windischenstr. 10

99423 Weimar

www.kunstfest-weimar.de