Europa befindet sich in der Dauerkrise, einer Krise der Institutionen und Narrationen. Es ist auch eine Identitätskrise: Wer wollen wir sein, wie wollen wir leben, wer gehört zu uns? Wer angesichts der Lage nicht in Depressionen verfallen möchte, braucht eine Zuflucht – einen offenen, schöpferischen Raum des Übergangs zwischen Zweifel und Neubeginn. Die Wiesbaden Biennale 2016 gewährte dem „müden Europäer“ eben dies: ein Asyl. Acht internationale Künstler/innen entwarfen hierfür exemplarisch Institutionen und Konzepte einer utopischen Gemeinschaft. Sie besetzten und transformierten zentrale Orte in der Stadt und hinterfragten Rituale und Narrative.
Der niederländische Performancekünstler Dries Verhoeven entwickelte z.B. in der St. Augustine's Church zehn Beerdigungs-Zeremonien: Täglich trug er Ideen und Vorstellungen (Wohlfahrtsstaat, Ewige Treue etc.) zu Grabe, von denen sich die Gesellschaft möglicherweise verabschieden muss. Der belgische Regisseur Thomas Bellinck bezog das leerstehende Gerichtsgebäude und baute ein Museum der Zukunft, das auf den Zerfall Europas zurückblickt. Das Theaterstudio verwandelte der libanesische Künstler Rabih Mroué in eine kritische Kunst-Schule, die die Medienmaschine des islamistischen Terrors analysierte. Zuschauer und Passanten waren eingeladen, Teil der Gemeinschaft zu werden und die Erzählung Europa mit fortzuschreiben.
Die Wiesbaden Biennale ist das Nachfolgefestival von „Neue Stücke aus Europa“. Gegründet 1992 aus dem Geist des europäischen Aufbruchs, analysierte das Festival – 24 Jahre später – kritisch die europäische Identität.

Künstlerische Leitung: Maria Magdalena Ludewig, Martin Hammer
Künstler/innen: Dries Verhoeven (NL), Thomas Bellinck (BE), Rabih Mroué (LB), Tiago Rodrigues (PT), Georgia Sagri (GR), Ingo Niermann, Margarita Tsomou (GR/DE) u.a.

Kon­takt

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