Schon seit längerer Zeit beschäftigt sich das Thalia Theater mit dem Thema "Comic": Bestimmte Ausdrucksweisen "wie im Comic" haben sich in alle Bereiche der Alltagskulturen eingeschrieben (z.B. in Werbung, Bildende Kunst, Film, Mode etc.) und mittlerweile wird diesem Umstand auch in Festivals zum Thema "Comic & Medien" Rechnung getragen, die weit über übliche Produktmessen hinausgehen. Trotz einer gewissen Affinität zum Puppen-, Schatten- und Papiertheater wurde Comic bislang jedoch kaum im Theaterbereich untersucht oder als Strukturelement eingesetzt. Wie verlaufen comic-hafte Erzählweisen, wann ist ihr ausschnitthaftes Darstellen im Theater sinnvoll und welchen Einfluss haben Cartoons auf Bühnenbilder? Diesen Fragen widmete das Thalia Theater vom 5. bis zum 14. Mai 2006 ein interdisziplinäres und internationales Festival. In Theaterproduktionen von und mit Comiczeichnern aus Japan, Frankreich, Osteuropa und der Schweiz wurden populäre Ausdrucksformen der Gegenwart untersucht, die die Brüche und Widersprüche des Alltagslebens widerspiegeln. Auf der Suche nach einem darstellbaren gegenwärtigen Lebensgefühl entwickelten und präsentierten alle Veranstaltungen neue Möglichkeiten der Arbeit mit Comics in Theater, Zeichnung, Film und Musik.

Auf den Bühnen des Thalia Theaters Halle und im Innenstadtbereich zeigten mehrere Theaterproduktionen ein breites Spektrum an Möglichkeiten auf, mit dem Thema umzugehen: So wurden die "Räuber" von Schiller mit Bildern des Comiczeichners Karsten Schwenzfeier unter der Regie von Annegret Hahn neu inszeniert, in der Comic-Oper "La tragédie de Pluto" wurden Metaphern der Wirtschaftsgeschichte gegeneinander ausgespielt. Unter dem Titel "Little Red Riding Hood / Rotkäppchen" präsentierten Studenten der University School of Cartoon & Comic Art in Kyoto gemeinsam mit Regiestudenten aus Berlin kurze Szenen nach Motiven des gleichnamigen Märchens der Gebrüder Grimm. Im Verlauf des "Concert de dessins" entwickelten zehn Comiczeichner und vier Musiker aus Frankreich unter den Augen des Publikums eine Bildergeschichte.

Parallel zu den Theaterproduktionen trug eine Ausstellung den Comic in den öffentlichen Raum: der Zeichner und Videofilmer Ingo Giezendanner gestaltete mit einer temporären Arbeit aus Zeichnungen und Comics die Fassade des Puschkinhauses. Bilder und Filme von Henning Wagenbreth (Berlin) wurden gezeigt und dienten gleichzeitig als Spielfläche für eine szenisch-musikalische Performance.

Das Begleitprogramm zum Festival umfasste Gespräche, Signierstunden, einen Jugendwettbewerb, Werkstätten und Club-Veranstaltungen.

Künstlerische Leitung: Annegret Hahn, Berit Schuck