Mit seiner Oper Die Soldaten hat der 1970 verstorbene Komponist Bernd Alois Zimmermann Musikgeschichte geschrieben. Das um 1960 entstandene Werk nach dem Drama des Sturm und Drang-Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz galt zunächst als unspielbar, bis es bei seiner Uraufführung 1965 in Köln einen für zeitgenössische Opern ungewöhnlichen Triumph feierte. Der gigantische Orchesterapparat sprengt jeden Orchestergraben. Die hochkomplexe Komposition verlangt das Äußerste an Können und Konzentration von Musikern und Sängern. Die musikalisch-szenische Zeitspirale, in deren Sog Protagonisten und Instrumentalisten geraten, mündet in die Simultaneität von Zeiten, Orten und Handlungen. Damit versuchte Zimmermann, seine Vorstellungen von der "Kugelgestalt der Zeit" umzusetzen. Das Kompositionsverfahren von Collage und Montage wendet Zimmermann auf Musik, Text und Szene an. Handlung und Musik verdichten sich zur apokalyptischen Vision: Die Soldaten ist totales Musik-Theater. Die Oper stellt eine ungeheure Herausforderung für das Musiktheater dar, sie sprengen die Kapazitäten eines normalen Opernbetriebs. Entsprechend selten ist es auf den Spielplänen der Opernhäuser zu finden.

Die Ruhr Triennale zeigt Die Soldaten 2006 als internationales Projekt in der Jahrhunderthalle in Bochum. Dieser Ort scheint aufgrund seiner gigantischen Ausmaße geradezu prädestiniert für dieses gewaltige Musikdrama, dessen Komplexität konventionelle Bühnensituationen nicht gerecht werden.