Im Sommer 2014 veranstaltete das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. ein zweiwöchiges Friedens- und Demokratiefest in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus. In verschiedenen Veranstaltungsformaten setzte sich das Festival mit Themen wie Krieg und Frieden, Zivilcourage und Aufarbeitung der SED-Diktatur auseinander. Höhepunkt des Festes waren sieben Open-Air-Aufführungen der Oper „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven in Kooperation mit dem Staatstheater Cottbus. Das Projekt war eingebunden in das Europäische Jahr der Zeitgeschichte, das die Bundesstiftung Aufarbeitung für 2014 ins Leben gerufen hat (100 Jahre Erster Weltkrieg, 65 Jahre Grundgesetz, 25 Jahre Friedliche Revolution). Zudem feierte die Uraufführung der endgültigen Fassung von „Fidelio“ 2014 ihren 200. Jahrestag.

Mitte des 19. Jahrhunderts als Königliches Zentralgefängnis erbaut, war das Zuchthaus Cottbus eines der größten Gefängnisse für politische Häftlinge in der DDR. Bis 1989 saßen hier mehr als 20.000 Menschen u.a. wegen versuchter Republikflucht und so genannter staatsfeindlicher Hetze ein. Viele von ihnen wurden durch die Bundesrepublik gegen Warenlieferungen in Höhe von rund 3,5 Milliarden DM frei gekauft. Der 2007 gegründete Verein Menschenrechtszentrum Cottbus e.V., dem überwiegend ehemalige politische Gefangene angehören, erwarb den Bau und setzt sich seitdem für die Sanierung und den Ausbau der Gedenkstätte als Erinnerungs- und Ausstellungsort ein.

Die Aufführung von Beethovens großer Rettungs- und Befreiungsoper „Fidelio“ in der Gedenkstätte konfrontierte das Publikum auf eindrückliche Weise mit der Geschichte und Architektur der Haftanstalt. Der Innenhof und weitere Teile des Geländes fungierten als Bühnenbild für die Inszenierung des Staatstheaters Cottbus. Die künstlerische und musikalische Leitung hatten Intendant Martin Schüler bzw. Generalmusikdirektor Evan Christ inne. Der Opernchor wurde durch Chöre der Region und interessierte Bürger/innen verstärkt, außerdem wurden ehemalige politische Häftlinge in den ‚Gefangenenchor‘ der Oper eingebunden. Der Auftritt des ‚Gefangenenchores‘ stellt ein berühmtes musikalisches Motiv der Operngeschichte dar und gilt als Sinnbild für die Befreiung von Tyrannei und Willkür und die Rettung eines unschuldigen Helden.

Das Staatstheater Cottbus erarbeitete „Fidelio im Zuchthaus Cottbus“ mit Solisten des Hauses und Gästen, die eigens für die Hauptrollen gewonnen werden konnten. Den Part der Leonore (Fidelio) übernahm die Sopranistin Miriam Gordon-Stewart, der US-amerikanische Tenor Craig Bermingham, der u.a. als Solist am Stadttheater Dortmund tätig war, trat als Florestan auf. Insgesamt wirkten zirka 200 Künstler/innen bei dem Projekt mit.

Musikalische Leitung: Evan Christ (US)
Regie: Martin Schüler
Choreinstudierung: Christian Möbius
Künstler/innen / Besetzung: Miriam Gordon-Stewart (Leonore/Fidelio), Graig Bermingham (Florestan) (US), Andreas Jäpel (Don Pizarro), Jörn E. Werner (Rocco), Heiko Walter (Minister), Cornelia Zink / Debra Stanley (Marzelline), Hardy Brachmann / Dirk Kleinke (Jaquino), Dirk Kleinke / Matthias Bleidorn (1. Gefangener), Ingo Witzke (2. Gefangener),
Ensembles: Opernchor und Extrachor des Staatstheaters Cottbus, Singakademie Cottbus e. V., Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus. 

Kon­takt

Menschenrechtszentrum Cottbus e.V.

Bautzener Straße 140

03050 Cottbus

www.menschenrechtszentrum-cottbus.de

 

Staatstheater Cottbus

Lausitzer Straße 33
03046 Cottbus
www.staatstheater-cottbus.de