Die Beschäftigung mit asiatischen Kulturen bietet dem Westen nicht nur andere, fremde Symbole, die den eigenen hinzuzufügen wären. „Was wir in der Betrachtung des Orients anstreben können“, so Roland Barthes, sei „die Möglichkeit einer Differenz, einer Mutation, einer Revolution im Charakter der Symbolsysteme“. Im Fall des Figurentheaters ist die Begegnung mit den asiatischen Spielformen zudem eine Entdeckung der eigenen Wurzeln – die ältesten Zeugnisse dieser Kunst finden sich in Asien. Die Vielfalt der Ausdrucksformen reicht vom indischen Schattentheater und dem Handpuppenspiel über das vietnamesische Wassermarionettentheater bis zum japanischen Bunraku, das mit nahezu lebensgroßen Puppen gespielt wird. Die uralten Spieltraditionen treffen auf zunehmende Faszination bei europäischen Figurentheaterspielern. Gleichzeitig reisen junge Theaterakteure aus Indien und China seit einiger Zeit regelmäßig nach Europa und erforschen die Geschichte und Ästhetik des hiesigen Puppentheaters. Dieses gegenseitige Infizieren machte das Bochumer Festival „Figurentheater der Nationen“ 2016 zum Thema des Sonderprogramms „Influenza“. Es lud sowohl Vertreter der traditionellen Spielarten als auch die vom anderen Kulturkreis beeinflussten Crossover-Projekte aus Europa und Asien ein. Ergänzend dazu verhandelten Workshops und Diskussionsrunden den Einfluss der europäischen und asiatischen Theatersprache auf das zeitgenössische Figurentheater. Ein Dokumentarfilmprogramm zeigte die Schönheit, aber auch das Verschwinden der mündlich überlieferten Spieltraditionen.

Künstlerische Leitung: Annette Dabs
Künstler/innen: Pavakathakali (IN), Tolu Bommalatta (IN), Anurupa Roy (IN), Thanglong Water Puppet Theatre (VN), Papermoon Puppet Theatre (ID), Die Retrofuturisten (D), Ariel Doron (ISR), , Antje Töpfer (D), Karin Schäfer (AT), Yui Kawaguchi & Yoshimasa Ishibashi (J/D)

Kon­takt

Deutsches Forum für Figurentheater und
Puppenspielkunst e.v.

Hattinger Straße 467

44795 Bochum

www.fidena.de