Japan hat nicht nur mit den ökologischen, sondern auch mit den psychischen und politischen Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima zu kämpfen. Wie die Wahlerfolge der Atomlobby zeigen, ist der Wunsch nach Verdrängung der Ereignisse immens. Andererseits wächst bei vielen Künstlern das Bewußtsein, dass Fukushima einige bislang verborgene Risse in der japanischen Gesellschaft freigelegt hat. Sie beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit der nach dem Desaster einsetzenden Agonie und Sprachlosigkeit, aber auch mit den Mythen der Nachkriegszeit wie dem Glauben an unbegrenztes Wirtschaftswachstum durch billige Energie. Unter dem Titel „Japan Syndrome“ veranstaltete des HAU Hebbel am Ufer ein spartenübergreifendes Festival, das der Frage nachging, wie sich die japanische Gesellschaft und Kultur seit Fukushima verändert haben. Zu den eingeladenen Stücken zählte eine Produktion des jungen Regisseurs Takuya Murakawa, die sich mit grundlegenden Problemen menschlicher Kommunikation auseinandersetzte und ein beklemmendes Konversationsstück von Toshiki Okada, das eine direkte Reaktion auf die Katastrophe darstellt. Der bildende Künstler Tadasu Takamine hat seine für das Festival titelgebende Arbeit „Japan Syndrome“ um Interviews mit Berliner Bürgern ergänzt und auf diese Weise weiterentwickelt. Ein vielfältiges Musikprogramm, Diskussionen, Filmvorführungen und eine Werkschau mit aktuellen Manga-Filmen rundeten das Programm ab.

Künstlerische Leitung: Annemie Vanackere, Christoph Gurk
Künstlerinnen: Akira Takayama / Regisseur (JP), Toshiki Okada / Regisseur, Autor (JP), Takuya Murakawa / Regisseur (JP), Tadasu Takamine / Regisseur, Künstler (JP), Tori Kudo / Musiker, Komponist (JP), Sangatsu / Musiker (JP), Ottomo Yoshihide / Musiker (JP), Hikaru Fujii / Künstler, Filmregisseur u.a.

Kon­takt

HAU Hebbel am Ufer

Stresemannstr. 29

10963 Berlin

www.hebbel-am-ufer.de