In seinem Text „Über das Marionettentheater“ befasst sich Kleist mit der ästhetischen Grundfrage, wo der ‚wahre‘ Künstler zwischen den beiden gegensätzlichen Positionen ursprünglicher Natürlichkeit und elaborierter Kunstfertigkeit anzusiedeln sei. Die Spannung zwischen dem Bestreben nach Perfektion und der Erfahrung, dass gerade der Versuch, sie einzulösen eine andere Form existenzieller Zerbrechlichkeit hervorbringt, ist auch für die Menschen des 21. Jahrhunderts ein brisantes Thema, deren Lebenswirklichkeit zunehmend von Lifting, Doping oder lebensverlängernden Maßnahmen beeinflusst wird.

Anlässlich Kleists 200. Todestages haben Isabel Mundry und Jörg Weinöhl ein szenisches Konzert für Instrumental- und Vokalensemble, Tänzer und Sopranistin entwickelt, mit dem sie Struktur und Problematik von Kleists Essay aufnehmen und das Verhältnis von Mensch, Maschine, Kunst und Natur umkreisen. Text, Musik und Tanz greifen auf vielschichtige Weise ineinander und überlagern sich, im facettenreichen Spiel von Bild und Abbild erfahren sie verschiedene Formen der Verkünstlichung bis hin zur Digitalisierung. Die Komposition thematisiert und erfährt gleichermaßen einen Prozess der Reflexion und Differenzierung: Und vollzieht damit, wovon der Text erzählt – eine komplexe Selbstspiegelung.

Künstlerische Leitung: Isabel Mundry und Jörg Weinöhl
Künstler/innen: Petra Hoffmann, Jörg Weinöhl, Vokalensemble Zürich (CH), Ensemble Recherche, Zuspielband 

Künst­le­ri­sche Lei­tung

Die Komponistin Isabel Mundry lehrte von 1996 bis 2005 Komposition und Musiktheorie in Frankfurt a. M. Seit 2004 ist sie Professorin für Komposition an der ZHdK Zürich. 2002/03 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin. Mundry ist Mitglied der Akademien der Künste Berlin und München. Für ihr Musiktheater „Ein Atemzug – die Odyssee“, uraufgeführt 2005 an der Deutschen Oper Berlin, erhielt sie 2006 den Kritikerpreis für die Uraufführung des Jahres. 2011 wurde Mundry mit dem Heidelberger Künstlerinnenpreis ausgezeichnet.

Den Tänzer und Choreografen Jörg Weinöhl verbindet eine mehrjährige Zusammenarbeit mit dem Choreografen Martin Schläpfer. Nach seiner Ausbildung arbeitete Weinöhl unter anderem beim Stuttgarter Ballett, beim Berner Ballett sowie beim ballettmainz. Mit seinem Solo-Abend „Das Wissen der Nacht“ kreierte er 2009 sein erstes Tanzstück und wirkte im selben Jahr an der Seite von Kirsty Ross in dem Film „I’m not alone“ mit. Seit 2009 arbeitet Weinöhl beim Ballet am Rhein.

Kon­takt

Isabel Mundry

isabel.mundry@t-online.de

 

Jörg Weinöhl

ballerino@arcor.de

 

Projektteam „Kunst und Künstlichkeit“

Stallikerstrasse 1

CH-8142 Uitikon Waldegg

Schweiz