Seit der Aufklärung haben sich Erkenntnis und Wissen als Motive westlichen Denkens durchgesetzt. Die Gewissheiten, die damit einhergehen, haben ihre Kehrseite jedoch in Herrschaftsansprüchen, die daraus abgeleitet werden und sich bis zum Despotismus steigern lassen. Der südafrikanische Künstler William Kentridge thematisiert, insbesondere im Blick auf Kolonialgeschichte und Apartheid, diese Schattenseiten der Aufklärung in seinem Werk. Foreign Affairs hat Arbeiten entlang des Themenfelds „Uncertainty vs. Enlightenment“ ausgewählt: William Kentridge verfolgt eine Idee von Unsicherheit und Vorläufigkeit als Gegenmodell zu den vermeintlichen Gewissheiten der Aufklärung sowohl inhaltlich als auch formal. Kentridge arbeitet an der Schnittstelle raum- und zeitbasierter Künste und beleuchtet damit das Potenzial von Genre-Kreuzungen als „Virtues of Bastardy“. Das Festival Foreign Affairs widmete William Kentridge 2016 einen Fokus und führte erstmals die bildnerischen und die performativen Stränge seines Schaffens zusammen. Gemeinsam mit dem Martin-Gropius-Bau fügte es sich mit Ausstellungen und Performances in beiden Häusern zum Kentridge-Projekt NO IT IS ! zusammen. Neben einer Uraufführung waren in diesem Sommer fünf Bühnenproduktionen, die alle in den letzten Jahren entstanden sind, in Berlin zu sehen. Sie integrierten verschiedene Medien und manifestierten sich in hybriden Formen: vom multimedialen Puppentheaterstück „Ubu and the Truth Commission“ über Kammeroper und Ciné-Konzert bis zu Performance Lectures.

Künstlerische Leitung: Matthias von Hartz
Künstler/innen: William Kentridge (ZA), Handspring Puppet Company (ZA), Dada Masilo (ZA), Ann Masina (ZA), Philip Miller (ZA), Joanna Dudley (UK/AUS), Markus Hinterhäuser (A), Matthias Goerne

Kon­takt

Berliner Festspiele

Schaperstraße 24

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