Im Jahr 2010 legte das Festival Theaterformen seinen Schwerpunkt auf das Thema Postkolonialität und Theater. Vier Theaterproduktionen standen dabei im Zentrum, die durch eine Filmreihe, eine Tagung, eine internationale Theaterakademie und ein Musikprogramm flankiert wurden. Der Theatermacher Faustin Linyekula inszenierte die Tragödie Berenice von Racine mit Darstellern aus dem Kongo und zog eine Parallele von Berenice zu den farbigen Soldaten im Dienste Frankreichs im 20. Jahrhundert. Der belgische Autor David Van Reybrouck hat nach zahlreichen Interviews mit belgischen Missionaren im Kongo das Stück Mission geschrieben, das der Regisseur Raven Ruell inszeniert hat. Der Choreograf und Tänzer Boyzie Cekwana aus Südafrika zeigte zwei Stücke, in denen er sich mit den physischen und psychischen Auswirkungen von Apartheid und Kolonialismus auseinandersetzte. Sein weißer Landsmann Brett Bailey benutzte das schockierende Format ethnographischer Schaustellungen, um von dem Völkermord an den Hereros und Namas in Namibia zu erzählen. Auf der internationalen Tagung, die im Rahmen des Festivals stattfand, ging es anhand von konkreten Beispielen um die Frage, welche Formen und Formate für die Präsentation von Theater aus anderen Kulturen sinnvoll und möglich sind.

Künstlerische Leitung: Anja Dirks
Mitwirkende / Künstler: Boyzie Cekwana (ZA), Faustin Linyekula (CD), Raven Ruëll (B), Brett Bailey, Nanna Heidenreich, Jörg Zboralski, Christine Regus

Kon­takt

Festival Theaterformen
c/o Niedersächsisches Staatstheater Hannover

Ballhofplatz 5

30159 Hannover

www.theaterformen.de