Das Theatertreffen gilt als Olympiade des deutschsprachigen Theaters und wird alljährlich im Mai in Berlin ausgerichtet. Satzungsgemäß werden die zehn bemerkenswertesten Aufführungen der Saison eingeladen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Jury aus Theaterkritikern entscheidet über die Auswahl.

Hier und Jetzt lautet das Motto des diesjährigen 46. Theatertreffens, das mit Christoph Schlingensiefs Inszenierung "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" eröffnet wird. Der Regisseur, bereits zum zweiten Mal zum Theatertreffen eingeladen, thematisiert darin seine lebensbedrohliche Erkrankung.
Den Abschluss des Theatertreffens bildet Volker Löschs viel diskutierte, polarisierende Inszenierung "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?". Frei angelehnt an Peter Weiss' Marat-Stück von 1964 arbeitet der Regisseur, der hiermit sein Theatertreffen-Debüt feiert, wieder mit Laien-Chören, diesmal Hartz-IV-Empfängern, und gibt Anstoß, über Politik im Theater nachzudenken.
Gemäß dem diesjährigen Festivalmotto "Hier und Jetzt" ist in diesem Jahr viel Autorentheater und Gegenwartsdramatik beim Theatertreffen zu sehen. So überrascht Andreas Kriegenburg mit seiner Version des Kafka-Romans "Der Prozess", Nicolas Stemann erzählt die "Räuber" nach Friedrich Schiller mit chorischen Elementen und starken Protagonisten und Martin Kušej holt im "Weibsteufel" den Schnitzler-Zeitgenossen Karl Schönherr in die Gegenwart. Der Schauspieler Joachim Meyerhoff zeigt einen dreiteiligen autobiografischen Soloabend und die britische Regisseurin Katie Mitchell eine eigenwillige Multimedia-Version von Franz Xaver Kroetz' "Wunschkonzert".

Die ausgewählten Inszenierungen im Überblick:

Die Möwe von Anton Tschechow (Jürgen Gosch / Deutsches Theater Berlin)
Marat, was ist aus unserer Revolution geworden? von Volker Lösch, frei nach Peter Weiss (Volker Lösch / Deutsches Schauspielhaus in Hamburg)
Die Räuber nach Friedrich Schiller (Nicolas Stemann / Thalia Theater, Hamburg / Salzburger Festspiele)
Wunschkonzert von Franz Xaver Kroetz (Katie Mitchell / Schauspiel Köln)
Der Prozess von Franz Kafka (Andreas Kriegenburg / Münchner Kammerspiele)
Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir, Fluxus-Oratorium von Christoph Schlingensief (Christoph Schlingensief / RuhrTriennale 2008)
Alle Toten fliegen hoch 1-3 von und mit Joachim Meyerhoff (Joachim Meyerhoff / Burgtheater, Wien)
Der Weibsteufel von Karl Schönherr (Martin Kušej / Burgtheater, Wien)
Hier und Jetzt von Roland Schimmelpfennig (Jürgen Gosch / Schauspielhaus Zürich)
Das Theater mit dem Waldhaus von Christoph Marthaler und Ensemble (Christoph Marthaler / Waldhaus, Sils-Maria (Schweiz))

Der Jury des Theatertreffens gehören im Jahr 2009 an: Eva Behrendt, Jürgen Berger, Wolfgang Höbel, Stefan Keim, Peter Müller, Andres Müry und Christopher Schmidt.

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