William Shakespeares „Titus Andronicus“ ist eine Farce, die vom Clash zweiter Kulturen handelt. In dem Stück, das Ende des 16. Jahrhunderts entstand, treffen Römer auf Goten, jene „Barbaren“ also, denen die griechisch-römische Zivilisation fehlt. Zwischen beiden Gruppen entspannt sich eine aus Vorurteilen, Rachedurst und Ehrenwahn gespeiste Gewaltspirale.
Das Staatsschauspiel Dresden entwickelte gemeinsam mit dem Teatr Polski in Wrocław eine deutsch-polnische Koproduktion des Stückes, in dem sich sowohl die römische Zivilisation als auch die gotische Kultur in blutrünstige Intrigen verwickeln. Fünf polnische und fünf deutsche Schauspieler/innen befragten unter der Leitung von Jan Klata (Regie) in einem mehrwöchigen Probenprozess die Vorlage auf ihren kulturellen Gegenwartsbezug: Was zeichnet das Verhältnis zwischen beiden Nationen heute aus, an deren gemeinsamer Grenze mit dem Deutschen Überfall der Zweite Weltkrieg begann? Wer sind die „Barbaren“? Wer sind die Besiegten? Warum kann das Fremde Hass erzeugen und warum hasst es sich so gut unter Nachbarn? Wie geht man heute mit dem Unbekanntem um und was heißt das für den Begriff der „Zivilisation“?
Das zweisprachige Theaterprojekt wurde wissenschaftlich und dokumentarisch begleitet: Ergänzend zu den Vorstellungen in Wrocław und Dresden gab es neben einer dramaturgischen Einführung immer einen fachwissenschaftlichen Vortrag aus verwandten Feldern wie Geschichte, Politik und Archäologie. Darüber hinaus hat ein Making-of in Form von Blogs, Bildern und Filmen die Arbeit am Projekt und seine Ergebnisse dokumentiert. Schulworkshops und Spielshops ergänzten das Begleitprogramm.

Regie: Jan Klata (PL)
Bühne, Kostüme, Licht: Justyna Łagowska (PL)
Choreografie: Maćko Prusak (PL)
Dramaturgie: Ole Georg Graf

Kon­takt

Staatsschauspiel Dresden

Theaterstraße 2

01067 Dresden

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