Die Kulturstiftung des Bundes hat 2006 den HEIMSPIEL-Fonds für Theaterprojekte eingerichtet, um Stadt- und Staatstheater darin zu bestärken, sich gezielt mit der sozialen und urbanen Wirklichkeit ihrer Stadt auseinanderzusetzen. Die Häuser sollten die Zusammenarbeit mit den Bewohnern ihrer Stadt suchen, künstlerische Strategien, die seit den neunziger Jahren in der Bildenden Kunst, Performance und der freien Szene entstanden sind, weiterentwickeln und neue Formen des dokumentarischen Theaters, Parcours, Installationen und Stadtprojekte erfinden.

Seitdem sind bundesweit mehr als fünfzig Theaterprojekte im HEIMSPIEL-Fonds gefördert worden. Der Begriff ‚Heimspiel‘ ist unter Dramaturgen und Theaterkritikern zur Genrebezeichnung für verschiedene Theaterformen geworden, die den Zuschauer dazu einladen, mit anderen oder mit der Umgebung in einen Dialog zu treten. Zahlreiche Artikel sind erschienen und Debatten über das Verhältnis zwischen Theater, Kunst, Politik und Bildung geführt worden. Dramaturgen, Regisseure und Schauspieler sowie Künstler der Disziplinen Musik, Tanz, Performance, Architektur und Medienkunst konnten ihr spezifisches Wissen über Recherchemethoden (Artistic Research) und Improvisationstechniken erweitern und neue Wege in der Arbeit mit Komplizen, Experten und Laien erforschen.

Vom 29. März bis 3. April 2011 hat eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Schauspiel Köln die Erfahrungen gebündelt und die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Theaterlandschaft zur Diskussion gestellt. Das Programm hat unter dem Titel HEIMSPIEL 2011 unterschiedliche Formate verbunden – ein internationales Symposium, ein begehbares Archiv für HEIMSPIEL-Produktionen und ein einmaliges Festival, erweitert um Workshops für Dramaturgen und Künstler –, um sowohl Fachleute als auch die breite Öffentlichkeit anzusprechen. Im Fokus standen dabei folgende Fragen: Welche neuen Theaterformen und künstlerischen Strategien sind entstanden? Welche Bedeutung hatten und haben HEIMSPIEL-Projekte für das Profil städtischer Theater? Wie lassen sich Projekte in die alltägliche Arbeit eines Theaters integrieren? Wie lassen sich die Erfahrungen der Macher übertragen und weitergeben? Welche Entwicklungen sind in der Zukunft zu erwarten?

HEIMSPIEL 2011 hat Bilanz gezogen und die Gelegenheit geboten, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte auszubauen. Ausgehend von der Beobachtung, dass es im Ausland vergleichbare Entwicklungen gegeben hat, erschien es dabei sinnvoll, nicht nur Dramaturgen und Künstler deutscher Bühnen, sondern außerdem internationale Gäste einzuladen: Künstler und Performance-Kollektive aus Europa, Lateinamerika und der arabischen Welt haben in Köln beispielhaft verschiedenste neue Wege in der Projektarbeit und Publikumsdramaturgie präsentiert. Ihre Kooperationsprojekte, Workshop-Programme oder Expeditionen haben den Austausch darüber angeregt, wie die Projektarbeit nach dem Auslaufen des HEIMSPIEL-Fonds weitergeführt werden könnte.

HEIMSPIEL 2011 war nach dem Symposium STADT I THEATER in den Münchner Kammerspielen im Februar 2007 und dem Arbeitstreffen HEIMSPIEL-WERKSTATT am Thalia Theater Hamburg im Dezember 2007 die dritte und letzte Veranstaltung der Kulturstiftung des Bundes zum HEIMSPIEL-Fonds. Nach Festivalende erscheint deswegen eine Dokumentation, die die Ergebnisse aus den Workshops und die wichtigsten Diskussionsbeiträge des Symposiums festhält sowie alle im Fonds geförderten Projekte noch einmal erlebbar werden lässt.

Die Kulturstiftung des Bundes stellte für das Programm HEIMSPIEL 2011 insgesamt 600.000 Euro zur Verfügung.

Wem ge­hört die Büh­ne?

Bekannte Theatermacher und Kollektive wie SIGNA oder Rimini Protokoll führten Profi-Workshops durch. Alles über die Workshops sowie weitere Informationen zur Veranstaltung HEIMSPIEL 2011 finden Sie auf einer eigenen Website:

www.heimspiel2011.de

Kon­takt

Antonia Lahmé
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