Kontrapunkte

Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

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Projektbeschreibung

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zählen mit insgesamt fünfzehn Häusern, zu den bedeutendsten Museumskomplexen in Europa. Sie sind historisch tief in der Tradition des Freistaats Sachsen verankert und haben sich in den vergangenen Jahren zugleich als Ort für Debatten über das kulturelle und politische Erbe der DDR einen Namen gemacht. Die für Herbst 2023 geplante internationale Ausstellung Revolutionary Romances im Albertinum Dresden betritt Neuland: Noch nie haben die Museen der SKD in den drei Jahrzehnten nach dem Ende der DDR systematische Forschungen darüber angestellt, welche Wirkungen die politische Programmatik einer weltumspannenden Solidarität sozialistischer Staaten in der konkreten institutionellen Praxis des Sammelns, Bewahrens und Ausstellens gezeitigt hat. Entgegen geläufigen Klischees über die vermeintliche provinzielle Selbstbezüglichkeit des ostdeutschen Kulturlebens unternimmt das Projekt die exemplarische Sichtung und Einordnung von Kunstwerken, Objekten und Dokumenten im Sinne einer transkulturellen DDR-Kunstgeschichte in den Jahren 1949 bis 1990 und danach.

Der kulturelle Austausch der SKD-Institutionen mit Akteurinnen und Akteuren in sozialistisch orientierten Ländern des Globalen Südens sowie mit Befreiungsbewegungen in südafrikanischen Ländern und dem Nahen Osten ist bislang kaum erforscht worden. Fragen nach der Rolle, die Kunst und Kultur in den Beziehungen der DDR zu den jeweiligen Partnerländern gespielt haben, bilden thematisch einen roten Faden durch das Projekt: Welche Themen, Motive und Bild-Rhetorik haben Künstlerinnen und Künstler formuliert? Aus welchen Quellen speiste sich diese Kunst und inwieweit war sie international? Wie wurde der Kulturaustausch, der zur Bildung einer sozialistischen Welt- und Wertegemeinschaft beitragen sollte, praktisch organisiert? Welchen Einfluss übten Kunst und Kultur der adressierten Länder ihrerseits auf das kulturelle Schaffen in der DDR aus? Wie wurden Wanderausstellungen der DDR in den Partnerländern aufgenommen? Wie wirkten in der DDR ausgebildete Künstlerinnen und Künstler auf Kulturpolitik und künstlerische Produktion ihrer Herkunftsländer ein? Gab es eine eigenständige Ikonografie der Völkerfreundschaft, auf welche Traditionen bezog sie sich und was war an ihr neu?

Mit dem Projekt Kontrapunkte wollen die Staatlichen Kunstsammlungen ihr Selbstverständnis und Angebot, ein dialogoffenes städtisches Forum zu sein, fortsetzen und intensivieren. Das Projekt ist als eine Einladung zur Mitwirkung der Dresdner Zivilgesellschaft angelegt: Parallel zur Ausstellung finden in den Jahren 2022 bis 2024 inner- und außerhalb der SKD-Räumlichkeiten insgesamt acht große Forumsveranstaltungen statt, in denen ein offener Umgang mit DDR-Geschichte praktiziert werden soll. Außerdem wird ein innovatives Digitalforum entwickelt, das als Open-Access-Angebot programmiert wird und internationale Akteure einbindet. Das Projekt geht investigativ vor und erkundet mit interdisziplinären Sammlungsexpertinnen, Wissenschaftlern, Zeitzeuginnen, Bürgern und jungen Menschen Themen, die in der Vermittlung der SKD-Institutionengeschichte bislang ausgespart blieben – wie etwa die kritische Retrospektion der globalen Reichweite staatlicher Museumspolitiken im Zusammenhang der Außenkulturpolitik der DDR.

Die Kulturstiftung des Bundes fördert das sammlungsübergreifende Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekt Kontrapunkte der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in den Jahren 2021 bis 2024 mit 500.000 Euro.

Kontakt

Stephanie Regenbrecht

ProgrammentwicklungKulturstiftung des BundesFranckeplatz 206110 Halle an der Saale
Tel: 49 (0)345 29 97 138Fax: 49 (0)345 29 97 300E-Mail an Stephanie Regenbrecht