Rache

Geschichte und Fantasie

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Projektbeschreibung

In unserer Erinnerungskultur firmieren Juden seit dem Holocaust als Opfer. Diese apodiktische Zuschreibung steht in scheinbarem Gegensatz zu den alten und zum Teil bis heute anhaltenden antisemitischen Stereotypen des rachsüchtigen Juden, der mit Brunnenvergiftungen im Mittelalter, Ritualmorden und neuerdings auch von Verschwörungstheoretikern mit der Coronapandemie in Verbindung gebracht wird. Der Golem dürfte als die noch am ehesten bekannte mythische Figur eines mit übermenschlichen Kräften Vergeltung übenden Juden in die Kulturgeschichte eingegangen sein. Für das gegenwärtige Selbstverständnis von jungen Jüdinnen und Juden ist die bisher kaum beachtete Geschichte von jüdischer Selbstermächtigung, des Widerstands und Racheakten an Repräsentanten des Nationalsozialismus, Mitgliedern der Gestapo, der SA und SS oder Wehrmachtssoldaten Teil ihrer im öffentlichen Gedächtnis unterschlagenen Geschichte. Die internationale Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt spannt einen kulturgeschichtlichen Bogen von jüdischen Rachefantasien zu historischen Racheakten von Jüdinnen und Juden. Anhand von historischen Dokumenten, Fotos, Werken der bildenden Kunst, zeitgenössischen Auftragsarbeiten, zeremoniellen Gegenständen, biblischen Racheerzählungen in Wort und Bild, Film- und Videoarbeiten soll die Kulturgeschichte der jüdischen Rache im wechselseitigen Zusammenhang von Fantasien, Klischees und historischen Ereignissen nachgezeichnet werden. Eine wissenschaftliche Konferenz unter dem Titel „Un-/Versöhnlichkeit – Kritische Erinnerungskulturen der dritten Generation“ ist ebenso Teil eines umfangreichen Begleitprogramms wie ein Writers-in-Residence-Programm und ein Online-Plattform. Es erscheint ein zweisprachiger Ausstellungskatalog.

Künstlerische Leitung: Max Czollek
Künstlerinnen: Victoria Hanna, Daniel Laufer u. a.

Termine

  • 15. März, 2022 bis 17. Juli, 2022: Ausstellung: Rache

    Jüdisches Museum, Frankfurt am Main

Kontakt

Jüdisches Museum Frankfurt

Bertha-Pappenheim-Platz 1
60311 Frankfurt am Main
www.juedischesmuseum.de (externer Link, öffnet neues Fenster)