In Greifswald stand bis 1990 das größte Kernkraftwerk der DDR mit über 10.000 Arbeitern. Im Winter 1978/79 schnitt extremer Schneefall das Kraftwerk von der Umwelt ab. Acht Tage lang hielt die eingeschlossene "Schicht C" die Reaktoren am Laufen - ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Nachschub und ohne Schlaf. Diese acht Tage wurden zur längsten Schicht im Leben der Arbeiter, die später die politische Propaganda zu Helden verklärte. Das Projekt Schicht C recherchierte Material und Erinnerungen ehemaliger Arbeiter und Einwohner. Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald begleitete diese Arbeit wissenschaftlich. In Workshops, Try-outs und lecture performances wurden die Ergebnisse öffentlich präsentiert und diskutiert. Studenten, Zeitzeugen, Experten und Mitglieder des Theaters Vorpommern veranstalteten begleitend dazu Filmabende, Erzählcafés und Hörinstallationen. Die Arbeitsergebnisse mündeten in eine Bühnenproduktion, in der Schauspieler und ehemalige Mitarbeiter des Kraftwerkes gemeinsam jene Tage im Winter 1978/79 rekonstruierten: Im Zentrum standen die - heute größtenteils arbeitslosen - Arbeiter des Kraftwerkes und ihre Familien. Durch die Verknüpfung mit regionalen Initiativen und eine theaterpäda- gogische Betreuung des Arbeitsprozesses sollte ein Netzwerk entstehen, das über das Projekt hinaus Bestand hat. Der gesamte Arbeitsprozess wurde in einer Buchpublikation dokumentiert, einem Archiv für das kollektive Gedächtnis einer Region.

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Anton Nekovar
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