Im Dezember 2015 jährte sich zum 50. Mal das umfassendste Filmverbot der deutschen Kinogeschichte: 1965 wurden auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED zwölf neue DEFA-Filme verboten. Damit wurde nahezu die gesamte Jahresproduktion der DEFA 1965/66 in verschiedenen Produktionsstadien gestoppt. Die DEFA-Stiftung hat nun diesen einzigartigen Kahlschlag in der deutschen Filmgeschichte aufgearbeitet und die damals zurückgehaltenen Filme der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Rahmen einer Filmreihe wurden die zwölf damals verbotenen Filme veröffentlicht und Kinos und Institutionen zur Aufführung angeboten. Parallel zu den Vorführungen fanden Gespräche mit Referent/innen und Zeitzeugen wie Darstellern und Filmemachern statt. Für die Veranstaltungen kooperierte die DEFA-Stiftung mit Partnerinstitutionen wie dem Zeughauskino, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin oder den Filmmuseen in München und Wien. Neben der Restaurierung des Films „Sommerwege“ und der Digitalisierung von einzelnen noch analog vorliegenden DEFA-Verbotsfilmen, entstand eine Publikation und die Filme wurden in der Deutschen Digitalen Bibliothek veröffentlicht.

Künstlerische Leitung: Ralf Schenk

Filme: „Das Kaninchen bin ich“ (R: Kurt Maetzig), „Denk bloß nicht, ich heule“ (R: Frank Vogel), „Berlin um die Ecke“ (R: Gerhard Klein), „Fräulein Schmetterling“ (R: Kurt Barthel), „Hände hoch oder ich schieße“ (R: Hans-Joachim Kasprzik), „Jahrgang 45“ (R: Jürgen Böttcher), „Spur der Steine“ (R: Frank Beyer), „Der verlorene Engel“ (R: Ralf Kirsten), „Wenn du groß bist, lieber Adam“ (R: Egon Günther) u.a.

Zeughauskino Berlin im Deutschen Historischen Museum; Filmmuseum München; Österreichisches Filmmuseum in Wien, LEOKINO/Cinematograph in Innsbruck; Stadtkino Basel; Bozner Filmtage

 

Sturm und Zwang

Symposium zum 11. Plenum des ZK der SED und zu den verbotenen DEFA-Filmen von 1965/66

Aus Anlass des 50. Jahrestages des „Kahlschlag“-Plenums präsentierte das Zeughauskino in Berlin vom 1.–20. Dezember 2015 eine umfangreiche Werkschau mit Filmen, die im Umfeld des 11. Plenums 1965/66 gedreht und partiell verboten wurden. Die DEFA-Stiftung veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Hannah-Arendt-Institut (Dresden) ein Symposium, bei dem der von Andreas Kötzing und Ralf Schenk herausgegebene Band „Verbotene Utopie. Die SED, die DEFA und das 11. Plenum“ öffentlich vorgestellt wurde. Autoren des Buches berichteten über ihre Recherchen zum Thema und neue Arbeitsergebnisse zu Hintergründen und Folgen des Plenums. Dabei wurde der Fokus erstmals auch auf die bisher in der Forschung weitgehend unberücksichtigt gebliebenen Ereignisse im DEFA-Trick- und im DEFA-Dokumentarfilmstudio gerichtet.



Filmpremiere "Sommerwege" am Tag des audiovisuellen Erbes 2014

Am 27. Oktober wird der UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes gefeiert. Zu diesem Anlass hat die DEFA-Stiftung am 27. Oktober 2014 im Zeughauskino Berlin die Uraufführung des DEFA-Films SOMMERWEGE (Hans Lucke, 1960) präsentiert. Die anschließende Diskussion widmete sich Fragen des zeitgeschichtlichen Umfelds und der Rekonstruktion. Sommerwege gehört zu einer Reihe von DEFA-Produktionen, die den Prozess der Vergesellschaftung auf dem Land begleiteten. Doch als der Film fertig war, bescheinigte ihm die Abnahmekommission „gravierende künstlerische Schwächen, die sein gesellschaftliches Anliegen“ beschädigten. Das Regiedebüt des Schauspielers Hans Lucke wurde nicht zur Aufführung freigegeben, das Material im Staatlichen Filmarchiv der DDR eingelagert. Die DEFA-Stiftung rekonstruierte den Film in Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv.

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