transmediale.08: conspire!

Das Internet hat sich mit dem 'Web 2.0' unter anderem zu einer Plattform entwickelt, über die zunehmend populäre Gerüchte und Spekulationen angefacht und verbreitet werden. Unter dem Motto "Conspire…" lud die transmediale im Jahr 2008 Künstler, Medienaktivisten und Akademiker ein, sich mit dem Thema Konspiration und digitale Technologien auseinanderzusetzen. Das Festival fand vom 29.1. bis 3.2.2008 im Haus der Kulturen der Welt statt und stand erstmals unter der künstlerischen Leitung von Stephen Kovats.

Die Ausstellung (29.1. bis 24.2.2008, Haus der Kulturen der Welt), kuratiert von der in Paris lebenden Slowenin Nataša Petrešin Bachelez (u.a. "In den Schluchten des Balkan", Slowenischer Pavillon der 49. Venedig Biennale), untersuchte die strategische Grundidee des konspirativen Aktes in Anlehnung an die lateinische Herkunft des Wortes: conspirare heißt auch 'gemeinsam atmen' - eine leise und kosmische Einstimmung auf eine so anonyme wie intime Zusammenarbeit. Konspirative Wahrheiten, bioorganische Systeme oder verkehrte Realitäten waren Unterthemen der Ausstellung, die die Idee des sich Verschwörens mit Vorstellungskraft und Forschergeist untersuchte. 33 Arbeiten von internationalen Künstlern wurden präsentiert, die Hälfte davon waren Auftragswerke für die transmediale.08.

Der transmediale award 2008 wurde erstmals gemeinsam mit dem club transmediale (CTM) ausgelobt. Die Jury bestehend aus Olga Goriunova (Moskau), Nat Muller (Rotterdam), Wonil Rhee (Seoul), Mihaela Vasile (Bukarest) und Florian Wüst (Berlin) nominierte von 1116 Einsendungen aus 57 Ländern elf Werke. Die Preisträger der drei Preise mit einer Gesamtsumme von 8000 € wurden bei der Verleihung am 2. Februar bekannt gegeben.

Eines der Panels bei der Konferenz der transmediale.08 erörterte den Zustand der manipulierten Angst durch politische Institutionen sowie durch Terrornetzwerke: "Embedding Fear - The Internet and the Spectacle of Heightened Alert ". Loretta Napoleoni, Autorin von "Terror Inc.", diskutierte mit Yassin Musharbash und Naeem Mohaiemen, wie Kultur und Identität sich durch diese Entwicklungen ändern. Musharbash, Redakteur bei Spiegel Online, beobachtet seit Jahren, wie sich Al-Qaida & Co die offenen Strukturen des Internets aneignen. Mohaiemen war für seine Arbeit zu Islam und HipHop für den erstmals zu vergebenden Vilèm Flusser Theory Award nominiert.

Um der wachsenden Zahl theoretischer und kontextbildender Arbeiten bei der transmediale gerecht zu werden, war der Wettbewerb in diesem Jahr um den Vilém Flusser Theory Award erweitert worden. In Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten Vilém Flusser Archiv an der Universität der Künste in Berlin, das sich dem Gesamtwerk des 1991 gestorbenen Medienphilosophen widmet, sollen exemplarische medientheoretische oder konzeptuelle Werke mit diesem Preis ausgezeichnet werden, der mit 2.000 Euro dotiert ist.

Keyno­tes der Kon­fe­renz

Der chilenische Neurobiologe Humberto Maturana inszenierte zusammen mit

seiner Kollegin Ximena Davila seine Theorie der Autopoesis. Der Philosoph

und Gesellschaftstheoretiker Peter Sloterdijk hielt einen Vortrag zum Thema “Das menschliche Verlangen nach Verschwörung“. Konspiration ist für ihn ein grundlegendes Bedürfnis der menschlichen Existenz. Otto E. Rossler, der Pionier der Chaosforschung, warnte vor dem für Mai 2008 geplanten CERN Experiment, ein mikro-schwarzes Loch entstehen zu lassen.

Web­site

Auf der umfangreichen Websites des Festivals sind auch die bisherigen Ausgaben seit 1997 dokumentiert. Im Pressebereich finden Sie überdies zahlreiche Fotos.

Transmediale

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