Die 1921 gegründeten Donaueschinger Musiktage sind das älteste Festival für Neue Musik der Welt und das renommierteste dieser Art in Deutschland. Viele bedeutende Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts haben hier ihre Werke uraufgeführt. Das jährlich im Oktober stattfindende Festival gibt einen Überblick über die Musikavantgarde der Gegenwart.

Vom 17. bis zum 20. Oktober 2019 präsentierten die Donaueschinger Musiktage insgesamt 20 Uraufführungen und sechs Klanginstallationen. Neben den Konzerten mit dem Sinfonieorchester und den großen Ensembles aus Paris, Wien und Hamburg standen in diesem Jahr vor allem Formate im Mittelpunkt, die den klassischen Konzertsaal verließen, weil sie etwa als Computerspiel angelegt waren oder im Schwimmbad unter Wasser stattfanden.

Klang und Raum

Im Eröffnungskonzert brachte Simon Steen-Andersen erstmals alle drei SWR Klangkörper, das Symphonieorchester, das Vokalensemble und die Big Band zusammen und konfrontierte sie in seinem Werk „TRIO“ mit ihren historischen Vorläufern. Alberto Posadas erkundete in seinem abendfüllenden Werk „Poesie des Raumes“, wie die Klänge das Erlebnis des Raums gestalten können. Ata Ebtekar (alias Sote) ließ in „Parallel Persia“ die Illusion einer künstlichen und hyperrealen persischen Kultur entstehen. Nina Šenk, Pierre-Yves Macé, Johannes Boris Borowski und Beat Furrer arbeiteten auf unterschiedliche Weise mit der ganz eigenen Klangkultur des Ensemble Intercontemporain. Für die Uraufführungen des Abschlusskonzerts des jordanischen Komponisten Saed Haddad, von Eva Reiter, Lidia Zielińskas und Jürg Frey stand Tito Ceccherini am Pult des SWR Symphonieorchesters.

Künstliche Intelligenz

Die lernende Software „curAltor“ von Nick Collins analysierte knapp 100 eingesandte Klavierwerke und wählte daraus drei aus, die schließlich von Joseph Houston im Konzert gespielt wurden. In der NOWJazz-Session improvisierte das Wiener Duo von Maja Osojnik und Matija Schellander mit elektronischen und analogen Klangquellen, Field Recordings, Beats und dem gesprochenen Wort und traf auf die experimentelle Videokunst von Billy Roisz. Christian Lillingers „Open Form for Society“ war ein Ensembleprojekt für neun improvisierende Musiker – mit konzeptuellen und klangästhetischen Einflüssen aus Jazz, Popkultur und Neuer Musik.

Schwimmbad und Hotelbar

Als fester Bestandteil der Donaueschinger Musiktage eroberte Klangkunst den öffentlichen Raum der Stadt. Das Publikum konnte im Schwimmbad ein besonders intensives und plastisches Hören unter Wasser erleben oder wurde unter dem Titel „Music for Hotel Bars“ an die Theke gebeten. Im Museum Art.Plus schuf Angela Bullochs Zeichenapparat Gemälde in Reaktion auf gehörte Musik. Ihre „Song Activated Drawing Machine“ hört Musik und setzt sie in eine malerische Bewegung um.

Das Motiv des Plakats zeigt die Maschine bei der Arbeit. Sie hört die Komposition „Heavy Metal Hercules“ für sechs Bassgitarren von Angela Bulloch und Augustin Maurs.

Künstlerische Leitung: Björn Gottstein

  • Termine

    17.10. –
    20.10.2019

    Festival für Neue Musik

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Kon­takt

Donaueschinger Musiktage
Amt für Kultur, Tourismus und Marketing Donaueschingen

Karlstraße 58
78166 Donaueschingen

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