Die Beziehung von Orient und Okzident war seit der Antike von Konkurrenz und Krieg, aber ebenso von Austausch und Bewunderung geprägt. Nach der großen militärischen Niederlage des Osmanischen Reiches 1683 vor Wien bildete sich jedoch zunehmend ein Macht- und Überlegenheitsanspruch der europäischen Kultur heraus. Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ (1782) spiegelt wie durch ein Brennglas das Verhältnis des Westens zum Orient und dessen Darstellung in den westlichen Künsten seit dem 18. Jahrhundert. Das berühmte Singspiel und viele andere Werke jener Zeit bedienen Denkfiguren des westlichen Orientalismus historischer Prägung, die wahlweise den grausamen, weisen oder lächerlichen Orientalen vorführen. Klischeehafte und hegemoniale Erzählmuster, die im Repertoire der Oper zumeist unreflektiert überlebt haben.  
Wie nun kann sich das „System“ Oper weiter öffnen, wie können neue Traditionen geschaffen werden? Ausgehend von Mozarts Werk will der Themenschwerpunkt „Jenseits des Serails“ die vielschichtigen Verflechtungen von Orient und Okzident rekonstruieren und die antagonistische Wahrnehmung überwinden. Internationale Künstlerinnen, Autoren und Musikerinnen sind eingeladen, in diversen künstlerischen Formaten den kulturellen Reichtum der wechselseitigen Beziehungen spür- und erlebbar zu machen und Ausblicke zu ermöglichen. Im Zentrum steht dabei die Neufassung und -inszenierung von Mozarts Oper durch die türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan und den belgischen Theaterregisseur Luk Perceval. An diese große Eigenproduktion des Theater Mannheim schließen weitere Projekte an: der „Paradiesgarten“, eine Lecture des französischen Autors Mathias Enard, der „Salon Oriental“ mit Konzerten und Diskussionen, die Aufführung der Operette „Ayse“ von Muhlis Sabahattin Ezgi (1925), der „West-Östliche Divan“ mit einem transkulturellen Konzert des Pera-Ensemble sowie „Machines of Enlightenment“, eine Ausstellung über Musikmaschinen, die in Kollaboration mit der Plattform „Norient“ entsteht. Garten, Salon und Ausstellung sind öffentlich zugänglich und bieten somit ein niedrigschwelliges Angebot für ein breites Publikum.

Künstlerische Leitung: Jan Dvorak, Albrecht Puhlmann
Künstlerinnen: Ariel Ashbel & Friends, Theresa Beyer / Norient, Asli Erdoğan, Thomas Fiedler, Haz’art-Trio und Fityan, Luc Perceval u.a.

  • Termine

    09.07. –
    19.07.2020

    Festival

    Nationaltheater Mannheim | Rokoko-Theater Schwetzingen und an Orten in der Stadt | Mannheim

Kon­takt

Nationaltheater Mannheim

Mozartstr. 9
68161 Mannheim

www.nationaltheater-mannheim.de