Die Premiere dieser „Orfeo“-Inszenierung fand während der Ruhrtriennale 2015 in der ehemaligen Mischanlage der Kokerei Zeche Zollverein statt, die mit ihrer spektakulären Raumarchitektur die Inszenierung prägte. Die junge deutsche Regisseurin Susanne Kennedy, das niederländische Künstlerduo Suzan Boogaerdt & Bianca van der Schoot sowie das Solistenensemble Kaleidoskop entwarfen gemeinsam Monteverdis „Orfeo“ als eine Musiktheater-Installation und als individuellen Parcours durch mehrere Räume. So entstand auf der Grundlage der bekannten Oper ein musikalisches Wahrnehmungsexperiment. Dem besonderen Ort und der visuellen Wucht der Mischanlage der ehemaligen Zeche setzte das Bühnenbild Räume entgegen, die so banal wie hyperrealistisch wirkten. Die Unterwelt wurde als „moderne“ Vorhölle gestaltet, bestehend aus billigen Wohnküchen, Schlafzimmern und Warteräumen: eine „Ästhetik des Vorstadtzimmers“. 

Die musikalische Grundlage bildete Monteverdis Komposition. Zusätzlich entwickelte das Ensemble Kaleidoskop neue Stücke sowie elektronische Samples, basierend auf Fragmenten der Originalkomposition. Wie auch bei Monteverdi spielte das Prinzip des Echos eine entscheidende Rolle. Die einzelnen Räume der Installation konnten „miteinander spielen“, d.h. die Musik in einem Raum konnte die in einem anderen Raum beeinflussen. Das Publikum konnte die einzelnen Räume in kleinen Gruppen durchschreiten. Es traf auf Orfeo, der dort ruhelos umherwanderte, das Publikum mit sich nahm oder es wieder verlies. Nach etwa einer Stunde endete der Parcours durch die Unterwelt, ein erneuter Besuch erlaubte das Hören neuer Variationen, eine neue Version dieser mythischen Geschichte.

Regie: Susanne Kennedy, Suzan Boogaerdt (NL), Bianca van der Schoot (NL)
Musikalische Konzeption und Leitung: Michael Rauter
Sänger: Hubert Wild
Ensemble: Solistenensemble Kaleidoskop

Kon­takt

Solistenensemble Kaleidoskop e.V.

Raabestraße 16

10405 Berlin

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