Marejesho asili mila utamaduni wetu

Eine mobile Ausstellung zur kolonialen Geschichte des Kilimandscharo – gefördert im Fonds TURN2

Projektbeschreibung

Der Diskurs über die Rückführung menschlicher Überreste und Artefakte, die gewaltsam aus Kolonien nach Europa gebracht wurden, findet häufig ohne die Beteiligung der Herkunftsgesellschaften statt. Oft wissen diese nicht einmal, dass sich in europäischen Sammlungen Gebeine und Objekte ihrer Vorfahren befinden. Zwar wird in den Communities die Erinnerung an koloniale Gewalt bewahrt, doch der Zugang zu Informationen in Europa bleibt ihnen meist verwehrt. Nur in wenigen Fällen können sie ihre Vorfahren und Objekte sehen oder gar wieder zu Hause willkommen heißen. Folgende Fragen sind dabei zentral: Wohin sollen die Vorfahren zurückkehren? Wie sollte man sich an sie erinnern? Wem gehören die Objekte? Wäre ein Community Museum ein angemessener Ort?

Das Kunstprojekt "MAREJESHO asili mila utamaduni wetu" von Flinn Works, Berlin Postkolonial und Old Moshi Cultural Tourism will dies für die Kilimandscharo-Region in Tansania ändern. Das Herzstück des Projekts ist eine mobile Pop-Up-Ausstellung, die in der Region von Dorf zu Dorf reist. Ziel ist, auf sensible Weise über die Überreste der Vorfahren sowie die kulturellen, spirituellen und alltäglichen Objekte zu informieren, die am Kilimandscharo während der Kolonialzeit entwendet wurden. Die Ausstellung zeigt historische Fotografien, Zeichnungen, Tonaufnahmen und Archivalien, die bisher nicht zugänglich gemacht wurden, und stellt eine Datenbank zur Verfügung.

Das Projekt erfordert eine intensive Recherche in Sammlungsarchiven. Hierfür werden Flinn Works, Berlin Postkolonial und Old Moshi Cultural Tourism mit den Kuratorinnen und Provenienzforschern des Ethnologischen Museums Berlin sowie des Museums für Völkerkunde Dresden zusammenarbeiten. Tansanische bildende Künstlerinnen begleiten die Ausstellung mit ihrer zeitgenössischen Sicht auf die lokale Geschichte und präsentieren ihre aus der Recherche hervorgehenden Kunstwerke. Darüber hinaus werden Geschichten und Lieder zur kolonialen Vergangenheit von Mitgliedern des Filmkollektivs Bafico filmisch archiviert und ebenfalls in der Ausstellung gezeigt. Der inhaltliche Fokus der Ausstellung wird jeweils lokal angepasst, d.h. Kunstwerke, Fotografien und Objektfotos variieren von Dorf zu Dorf entsprechend ihrer Herkunft.
Filmvorführungen und Talks sind ebenso Teil des Programms wie lokale Tanz- und Musikaufführungen und eine kleine Bibliothek.

Die Ausstellungskonstruktion wird von tansanischen Architekten entworfen. Sie ist offen, leicht und flexibel gestaltet, um den temporären Charakter zu betonen im Kontrast zu kolonialen Depot- und Museumsbauten in Europa. Auf diese Weise soll die mobile Ausstellung ein einladendes Zentrum des Austausches sein und eine offene Diskussion zu einem schmerzhaften Themenkomplex innerhalb der Herkunftsgesellschaften anregen. Nach der Ausstellungsphase am Kilimandscharo wird "MAREJESHO" in den Räumen des Tieranatomischen Theaters (TAT) der Humboldt-Uni zu Berlin gezeigt. Diese Präsentation wird die Ergebnisse des Projekts reflektieren und die Sichtweisen, Forderungen und Stimmen der Kilimandscharo-Communities in den Mittelpunkt stellen.

Projektpartner: Old Moshi Cultural Tourism, Old Moshi, Tansania, https://oldmoshiculturaltour.com (externer Link, öffnet neues Fenster)

Künstlerische Leitung: Konradin Kunze (DE)
Kuratorin: Sarita Lydia Mamseri (GB)
Mit: Amani Abeid (TZ), Cloud Chatanda (TZ), Gabriel Mzei Orio (TZ), Mnyaka Sururu Mboro (D/TZ)

15.08.2022 - 04.09.2022 Wanderausstellung (Kilimandscharo-Region)
10.04.2023 - 11.06.2023 Tieranatomisches Theater, Humboldt-Universität zu Berlin

Kontakt

Flinn Works e.V.

Köpenicker Straße 172
10997 Berlin
www.flinnworks.de (externer Link, öffnet neues Fenster)