People’s Stories – Past and Present

Audiovisuelles Kulturerbe im Senegal, Marokko, Mauretanien und Europa – gefördert im Fonds TURN2

Projektbeschreibung

Nur wenige Artefakte und künstlerische Ausdrucksformen zeugen von dem opulenten Erbe der präkolonialen Reiche, die weite Teile des afrikanischen Kontinents vereinten. Die Mehrheit lagert in europäischen Museen und ist für junge Afrikaner auf dem Kontinent nicht zugänglich. Die Auslöschung dieser wichtigen Artefakte in den afrikanischen Ländern und ihre Dekontextualisierung in europäischen Sammlungen waren ein bedeutendes Instrument der kolonialen Herrschaft und hinterließen große Leerstellen in afrikanischen Gesellschaften, was die Tradierung von Wissen und historischen Bindungen und Identitäten angeht: Wer waren wir? Wer hätten wir werden können? Und was hätte geschehen können, wenn die koloniale Herrschaft die miteinander verbundenen Gesellschaften und Kulturen nicht gewaltsam in Fragmente zerteilt hätte?

Eine wichtige Rolle bei der Beantwortung dieser Fragen spielen Archive in den afrikanischen Ländern. Dabei bilden besonders audiovisuelle (Film-)Archive eine große Leerstelle in der postkolonialen Geschichtsschreibung – doch scheinen „Bilder der Vergangenheit“ dringend notwendig, um die unterbrochene Tradierung von Geschichten, Wissen und Fähigkeiten nachzuvollziehen, wieder aufzunehmen und neu zu erfinden.

Das Projekt „People's Stories - Past and Present“ von Dox Box e.V. in Berlin ist ein multidisziplinäres Kunst- und Kulturprojekt, in dessen Mittelpunkt Archivbilder und -töne aus afrikanischen Archiven als Ressource für Künstler, Filmemacherinnen, Performer und Musikerinnen stehen. Es wird in Kooperation mit KENU – Lab’oratoire des imaginaires, dem Yennenga Center und RAW Material Company in Dakar (Senegal), Art Gallé in Nouakchott (Mauretanien), Archive Milano in Mailand (Italien),der Cinémathèque de Tanger und Dar Al-Ma'mûn in Marrakesch (Marokko), June Givanni Pan African Cinema Archive in London (Großbritannien), Archive Kabinett in Berlin und DOK Leipzig durchgeführt. Ziel ist die Verwendung von Archivbildern als Werkzeug zur Neuinterpretation der aktuellen Realität und zur Imagination einer alternativen Zukunft. Dabei sollen auch vorkoloniale Verbindungen zwischen Gemeinschaften des afrikanischen Südens und Nordens jenseits lokaler Narrative durch multidisziplinäre Kunstformen sichtbar gemacht und auf diese Weise geopolitische Fragen thematisiert werden. Die Grundlage audiovisueller Archive bilden individuelle Geschichten, die die Kluft zwischen einer offiziellen Geschichtsschreibung und den Erinnerungen der Bevölkerung überbrücken können.

Geplant ist eine Reihe von Workshops im Senegal und in Marokko, bei denen Archivare, Forscherinnen und Filmemacher vor Ort lernen, lokale Archivate zu sichern, zu untersuchen und neu zu interpretieren. In Performances, Ausstellungen, Vorträgen, Seminaren und Konzerten im Senegal, in Marokko und in Europa sollen die entstandenen Ergebnisse und Arbeiten präsentiert werden. In einem abschließenden Symposium werden Fragen der Restitution, des Zugangs und der Konservierung von Bewegtbildern in kolonialen Archiven behandelt sowie in einer Online-Publikation die gesammelten Ergebnisse präsentiert. 

Projektpartner: RAW MATERIAL COMPANY, Dakar, Senegal (www.rawmaterialcompany.org (externer Link, öffnet neues Fenster)) / Cinémathèque de Tanger, Tanger, Marokko (www.cinemathequedetanger.com (externer Link, öffnet neues Fenster) / Dar Al-Ma’mûn, Marrakesch, Marokko / KENU – Lab’oratoire des imaginaires, Dakar, Senegal (https://kenulab.org (externer Link, öffnet neues Fenster)) / Centre Yennenga, Dakar, Senegal / Art Gallé, Nuakschott, Mauretanien / June Givanni Pan African Cinema Archive, London, Großbritannien (www.junegivannifilmarchive.com) (externer Link, öffnet neues Fenster) / Archive Kabinett, Berlin (www.archivesites.org (externer Link, öffnet neues Fenster)) / Archive Milano, Mailand, Italien) (www.archivesites.org (externer Link, öffnet neues Fenster))

Künstlerische Leitung: Jihan El-Tahri (EG)
Kuratorin: Omar Barrada (MA), Chiara Figone (IT), June Givanni (GB), Marie Hélène Pereira (SN), Rasha Salti (DE/LB)

Mit: John Akomfrah (GB), Alibeta (SN), Younes Baba-Ali (MA), Jean Pierre Bekolo (CM), Omar Berrada (MA), Ali Essafi (MA), Onyeka Igwe (GB), Hamedine Kane (SN), Kamile Metwaly (EG), Nancy Mounir (EG), Katy Lena N´diaye (SN), Otolith Group (GB), Qudus Onikeku (NG), Mario Pfeifer (DE), Mohanad Yaqubi (MA)

Juni/Juli/August/September 2022 - KENU (Dakar, Senegal), The Yennenga Center (Dakar, Senegal), RAW Material Company (Dakar, Senegal), Art Gallé (Nouakchott, Mauretanien), Archive Kabinett (Berlin, Deutschland), Archive Milano (Mailand, Italien), DOX BOX (Berlin, Deutschland)-Filmvorführungen, Ausstellungen, öffentliche Vorträge

Juni/Juli/August/September 2023 - Cinémathèque de Tanger (Tanger, Marokko), Dar Al-Ma'mun (Marrakesch, Marokko), June Givanni Pan African Cinema Archive (London, Großbritannien), Archive Kabinett (Berlin, Deutschland), Archive Milano (Mailand, Italien), DOX BOX (Berlin, Deutschland)-  Filmvorführungen, Ausstellungen, öffentliche Vorträge

Oktober 2023 - Berliner Union-Film Ateliers (Berlin, Deutschland)- Symposium, Festival
Oktober 2023 - DOK Leipzig (Leipzig, Deutschland) Filmfestival – Launch Online-Publikation / Website (tbc)

Kontakt

Dox Box e. V.

Richardstr. 85/86
12043 Berlin
https://dox-box.org (externer Link, öffnet neues Fenster)