The Ghosts are returning

Multimediales Musiktheater in DR Kongo und Europa – gefördert im Fonds TURN2

Projektbeschreibung

Mit einer Rede an der Universität von Ouagadougou im Jahr 2017 löste der französische Präsident Emmanuel Macron einen Wirbelsturm aus, indem er zum ersten Mal die Rückführung afrikanischer Kulturgüter und menschlicher Überreste als Möglichkeit in Aussicht stellte. In einem daraufhin von Macron in Auftrag gegebenen Bericht forderten die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der senegalesische Wirtschaftswissenschaftler und Autor Felwine Sarr nicht nur die Rückgabe der Objekte, sondern auch eine darüber hinausgehende Resozialisierung: "Die afrikanischen Länder stehen vor einer zweifachen Herausforderung: der Rekonstruktion ihrer Erinnerung und der Neuerfindung ihrer selbst durch semantische Neubesetzung und Resozialisierung der Objekte ihres Kulturerbes, wodurch eine neue Verbindung dieser Objekte mit den heutigen Gesellschaften und deren Gegenwärtigen hergestellt wird.“ (Sarr / Savoy, 2019).

Das postdokumentarische Musiktheaterprojekt „The Ghosts are returning“ von PODIUM Esslingen mit der Group 50:50, dem Centre d’Art Waza Lubumbashi und den European Alternatives, in Koproduktion mit CTM Festival Berlin, euro-scene Leipzig, Kaserne Basel und Vorarlberger Landestheater, sucht die Frage um die Restitution afrikanischer Kulturgüter mit der langen Geschichte von transkontinentalen Handelsbeziehungen und Migrationsbewegungen zu verbinden und auf diese Weise einen Beitrag zur aktuellen Debatte leisten.

Künstlerinnen aus dem Kongo und Europa erkunden in einem transkontinentalen Dialog die Zusammenhänge zwischen ihren Lebenswelten und Familiengeschichten, dem Handel mit Rohstoffen, mit Menschen und ihren Überresten und mit der Kunst. Was haben wir von unseren Ahnen geerbt? Welche Vermögenswerte, welche Verantwortung für ihre Verbrechen? Welche Wunden und Verluste haben sie an uns weitergegeben? Wie kann Wiedergutmachung aussehen? Im Zentrum steht dabei zum einen das Vermögen der Merian Stiftung in Basel, die vom Sohn eines Sklavenhändlers gegründet wurde, zum anderen sieben sogenannte „Pygmäen-Skelette“, die ein Schweizer Arzt aus der kongolesischen Provinz Ituri mit nach Hause brachte und die bis heute in Genf gelagert sind.

Mit den Mitteln von Musik, Tanz, Theater und Film entwickeln Künstler aus DR Kongo und Europa im Kollektiv ein postdokumentarisches Musiktheaterstück, das als eine musikalisch-szenische Totenfeier verschiedene musikalische Genres aufgreift und im Gedenken an die Millionen Opfer der Kolonialzeit und ihrer Nachwirkungen zur Aufführung kommen wird. In einem diskursiven Rahmenprogramm begleitet eine Gruppe von jungen Künstlern und Studentinnen aus dem Kongo und Deutschland kritisch das Projekt und wirkt bei den künstlerischen und politischen Aktionen und Interventionen aktiv mit, um so einen transkontinentalen und über das Projekt hinausgehendes öffentliches Engagement zu initiieren und fördern. Die Produktion soll im Herbst 2022 in Deutschland und der Schweiz uraufgeführt und danach in DR Kongo gezeigt werden.

Projektpartner: WAZA Centre d'art, Lubumbashi, DR Kongo (www.centredartwaza.org (externer Link, öffnet neues Fenster))

Künstlerische Leitung: Eva-Maria Bertschy (CH), Michael Disanka (CD), Elia Rediger (CH), Christiana Tabaro (CD), Steven Walter (DE)
Dramaturgie: Patrick Mudekereza (CD)
Mit: Christian Kossakamwe (CD), Janine Werthmann (DE), Ruth Kemna (CD), Franck Moka (CD), Merveil Mukadi (CD), Huguette Tolinga (CD)

24.09.2022 - 25.09.2022; Podium Festival Esslingen – Première, Aufführungen
29.09.2022 - 01.10.2022; Kaserne Basel - Aufführungen
03.10.2022 - 06.10.2022; Vorarlberger Landestheater Bregenz - Aufführungen
10.11.2022 - 12.11.2022; Euro-Scene Reloading Leipzig - Aufführungen
26.01.2023 - 28.01.2023; CTM Festival Berlin - Aufführungen
02.02.2023 - 11.02.2023; Kinshasa und Lubumbashi - Aufführungen

Kontakt

PODIUM Esslingen

Heilbronner Straße 11/1a
73728 Esslingen
www.podium-esslingen.de (externer Link, öffnet neues Fenster)